RIM ist Geschichte. Nach 29 Jahren Research in Motion (RIM) gibt das kanadische Unternehmen seinen Namen auf. Die Marke wird zur Firmierung. Jetzt heißen Produkte und Unternehmen Blackberry.

1999 brachte RIM ein mobiles Email-Telefon in die Business-Welt – eine echte Revolution. Doch mit dem Erfolg von iPhone & Co. geriet das Unternehmen unter Druck. Der Marktanteil liegt derzeit bei 2,9 Prozent, vor wenigen Jahren waren es noch 85 Prozent. 2011 stand RIM vor der Entscheidung, ein vorhandenes Betriebssystem zu übernehmen, so wie es Nokia mit Windows Phone 8 tat. Doch man entschied sich dagegen und allen war bewußt, man muss bei Null anfangen.

Das neu Z10 (ohne Tastatur) und das Q10 mit OS Blackberry 10

Das neu Z10 (ohne Tastatur) und das Q10 mit OS Blackberry 10

Somit ist das heute vorgestellte Blackberry 10 ein kompletter Neustart. Mit dem neuen Betriebssystem stellt der deutsche Unternehmens-Chef Thorsten Heins auch zwei Smartphones vor: das Z10 mit großer iPhone-Ähnlichkeit, jedoch ohne Home-Button. Sowie das Q10 für alle Liebhaber einer physischen Tastatur. Einen echten Coup landet Heins mit der Besetzung des Postens Global Creative Director: Das wird die Sängerin Alicia Keys. Es war sozusagen sein One more Thing… Plötzlich stand die Soul- und Pop-Sängern im braven Business-Outfit neben Heins. Was genau ihre Rolle als Creative Director sein wird, blieb ein wenig unklar.

blackberry-heins-alicia-keys

Die Blackberry World (App-Store) enthält zum Start des neuen Betriebssystems 70.000 Apps, Musik sowie Filme der großen Studios. Was bei der Bedienung eines Z10 auffällt, alles kann einhändige, also mit dem Daumen, bedient werden (4,2 Zoll Bildschirmdiagonale). Zum Wechsel zwischen Apps wird kein Home-Button benötigt. Mit Wischbewegungen in alle vier Richtungen kann der Nutzer zwischen Anwendungen wechseln. Davon kann sich Apple bei der Weiterentwicklung von iOS gern etwas abgucken. David Pogue von der New York Times entschuldigt sich nach der Präsentation bei Blackberry, bis dahin hielt er das Unternehmen für “doomed“, also dem Untergang geweiht. Das sieht er nun anders.

Beim Tippen auf dem Bildschirm werden direkt Worte von der Software vorgeschlagen, die mit einem Fingerwisch in das Textfeld geschoben werden. Ein Wisch nach links löscht das letzte Wort, ein Wisch nach unten wechselt zu Zahlen und Sonderzeichen.

blackberry-balanceBBM ist ein Blackberry Text-Messaging-System (iMessage), das nun um die Funktionen Video (FaceTime) und Screen erweitert wird. Bei Screen sehen alle Teilnehmer den Bildschirm des anderen, können also auf Grafiken, Tabellen, Fotos und Apps schauen. Heins nennt den Trend Mobile Computing, da das Smartphone immer öfter den Laptop ersetzt.

Mit Blackberry Remember (Erinnerungen) speichert der Nutzer Mails, Termine und Links, die zu einem gewählten Zeitpunkt wieder erscheinen. Hier lässt sich auch Evernote integrieren. Gelungen ist die Funktion Balance, sie bietet die Trennung zwischen privater und beruflicher Nutzung. Apps und Inhalte werden getrennt gespeichert, was die Integration in die Unternehmens-IT erleichtert. Damit reagiert Blackberry auf den BYOD-Trend (Bring you own device). Mitarbeiter bringen privat erworbene Geräte zur Arbeit und wollen diese verwenden.

Fotos schießt Blackberry 10 mit der Timeshift-Funktion wie Videos, man kann einige Millisekunden vor- oder zurückspulen, so dass man Leute nicht mit geschlossenen Augen fotografiert. Der Picture Editor bietet Bearbeitungsfunktionen wie Drehen, Beschneiden sowie Filter. Storymaker (iMovie) verbindet Fotos, Videos und Musik zusammen mit Effekten und Übergängen zu einem Video-Clip, der sich verschicken oder zu sozialen Netzen hochladen lässt.

blackberry-storymaker

Der erste Eindruck nach der Präsentation: Blackberry ist der Neustart eindrucksvoll gelungen und einen prüfenden Blick sind die Geräte bei der nächsten Kaufentscheidung allemal wert.



Kommentiere auch Du