Natürlich gibt es schon lange Apps, die aktuelle Benzinpreise liefern. Doch diese Datenbanken setzen auf freiwillige Nutzermeldungen. Jetzt stimmte der Deutsche Bundestag einem Regierungsentwurf zu, nach dem die Kraftstoffkonzerne die Preise an ihren 17.000 Tankstellen in Deutschland an eine Markttransparenzstelle (MTS) melden müssen und zwar in Echtzeit. Über eine entsprechende App können  Autofahrer die Preise für Superbenzin und Diesel in ihrer näheren Umgebung vergleichen. Das Gesetz tritt Anfang 2013 in Kraft, bis die Datenbank gefüllt und eine App bzw. ein Onlineportal funktioniert, dürften noch einige Monate vergehen.

Hintergrund des Gesetzes sind keine sinkenden Preise für  Diesel und Benzin, sondern zusätzliche Hürden für Preisabsprachen und mehr Transparenz in einem Markt, der von wenigen großen Teilnehmern (BP/Aral, Esso, Jet, Shell, Total) dominiert wird. Kleine und mittlere Unternehmen können sich auf Antrag von der Meldepflicht befreien lassen. Im ursrpünglichen Gesetzentwurf zur “Einrichtung einer Markttransparenzstelle für den Großhandel mit Strom und Gas” war vorgesehen, dass neben dem Preis auch die Bezugsquellen genannt werden müssen. Dies ist entfallen. „Schon heute ist der Mineralölmarkt so transparent wie kein zweiter: Viele Mineralölgesellschaften stellen ihre Spritpreise bereits ins Internet. Jetzt schafft der Gesetzgeber erstmals die Grundlage für eine umfassende Spritpreis-Übersicht, die alle Anbieter einbezieht. Der Verbraucher profitiert davon durch zuverlässige und uneingeschränkte Preisinfos in Echtzeit“, redet sich Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes das Gesetz schön. Die Daten nutzt also nicht nur das Kartellamt, sondern stellt sie direkt Verbrauchern zur Verfügung. Per App, Navigationsgerät oder Internetzugang am Computer werden die Preisangaben abgefragt.

Neben der Meldepflicht für Superbenzin und Diesel schließt das Gesetz auch den Handel mit Strom und Gas ein. Während die Markttransparenzstelle für Tankstellen beim Bundeskartellamt angesiedelt wird, müssen Strom- und Gasgroßhändler ihre Produktpreise an eine entsprechende Einrichtung bei der Bundesnetzagentur melden.

Die Idee der MTS entwickelte der Ökonomie-Professor und Vorsitzende der Monopolkommission Justus Haucap. Deutschland gehört damit zu den Vorreitern in Europa. Ein ähnliches Portal existiert bereits in Österreich. Seit August 2012 müssen Tankstellenbetreiber ihre Preise an die Preistranzparenz-Datenbank melden. Verbraucher sehen auf der Webseite nach Eingabe einer Adresse, die fünf günstigsten Anbieter im Umkreis.

Der Autofahrerclub ADAC begrüßt den Beschluss. „Mir liegt besonders daran, die Transparenz für die Verbraucher zu verbessern. Deswegen ist es unerlässlich, ohne zahlenmäßige oder zeitliche Beschränkung den Autofahrern umfassende aktuelle Informationen über die Preise an allen Tankstellen zur Verfügung zu stellen“, sagt ADAC-Präsident Peter-Meyer. Allerdings geht niemand davon aus, dass die Benzinpreise aufgrund der Markttransparenz sinken werden. Der Preis für den endlichen Rohstoff kennt langfristig nur eine Richtung.

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