Caramelized (karamellisiert) – da denkt man zuerst an Süßspeisen, die mit dem erhitzten Zucker überzogen wurden. Doch in der Kochbuch-App für das iPad geht es in erster Linie um herzhafte Küche. Als “iTunes für Kochbücher” beschreiben die Hamburger Macher ihre App. Die Jungs reden mit Kochbuchverlagen, ob die ihre vorhandenen Titel in digitaler Form auf das iPad bringen möchten. Den Anfang machte Tim Mälzer, bekannt aus der Werbung für Grillzangen und Wandfarbe, mit seinem programmatischen Titel “Kochbuch“. Heute finden sich im Shop Titel wie Fleur de Sel, The best Seafood of Norway, Wildkräuter & Blüten, Kiss me Cake sowie Mälzers Greenbox, das ausschließlich vegetarische Rezepte enthält. In der Umwandlung von Analog zu Digital befinden sich aktuell Gourmet Patagonia und Kook Karavaan. Die Preise für ein Kochbuch liegen zwischen 4,99 und 49,99 Euo.

Timer und Rezeptrechner erleichtern das Kochen mit dem iPad

Timer und Rezeptrechner erleichtern das Kochen mit dem iPad

Die Idee zu den smarten Kochbüchern hatte John Grøtting, selbst begeisterter Hobby-Koch. Als kreative Fachkraft in Digitalagenturen war für ihn klar, die Zukunft der Rezepte liegt auf dem Tablet. Online-Kochportale sind zwar gut und schnell zur Hand, aber längst nicht so ausführlich, tiefgreifend und ästhetisch bebildert wie die klassischen Kochbücher. Grøtting holte sich mit Jörn Schoppe einen Experten für digitale Oberflächen und Patrik Dusek einen Software-Entwickler ins Team. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: In Frankreich wurde Caramelized als bestes digitales Kochbuch Deutschlands mit dem Gourmand World Cookbook Award ausgezeichnet.

Die App nutzt die technischen Möglichkeiten des iPads: bei Zeitangaben im Rezept öffnet sich ein Timer, den der Nutzer mit einem Fingertipp startet. Soll ein Rezept für mehr als zwei Personen sein, ändert man die Zahl der Mitesser und erhält angepasste Mengenangaben. Die Liste der Zutaten hat der Koch stets in der linken Leiste im Blick.

Zum Stöbern eignet sich die Rezept-Ansicht, in der Zutaten und Ablauf beschrieben werden. Über die Notizfunktion kann man Anmerkungen hinzufügen. In der Schritte-Ansicht sieht man jeden Arbeitsschritt beschrieben. Passend dazu sind links die benötigten Zutaten farblich hervorgehoben. Jeder Schritt ist fast bildschirmfüllend dargestellt, so dass man auch mit einiger Entfernung zum iPad das Rezept noch lesen kann. Konsequent weitergedacht wäre ein Umblättern zum nächsten Schritt mit einer Handbewegung vor der iPad-Kamera. Mit verschmierten Händen will man das iPad ja nicht anfassen, aber eine Gestensteuerung ist bei Apples Tablet noch Zukunftsmusik.

Für die Weiterentwicklung hat das Start-up Unternehmen auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch 100.000 Euro gesammelt. Was mir noch fehlt, ist eine Exportfunktion der Zutaten in eine Einkaufsliste.



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