Apple ist ein fleißiger Kläger, wenn jemand ihre Technik oder Designs kopiert. So müssen die Kalifornier auch brav zahlen, wenn sie sich ungefragt bedient haben. So geschehen bei der Schweizer-Bahnhofsuhr. Dieser Tage wechseln rund 20 Millionen Franken (16,6 Mio. Euro) auf das Konto der Schweizer Bahn (SBB).

Apple hat in iOS 6 dem iPad endlich eine Uhr verpasst. Das Ziffernblatt als auch der Sekundenzeiger in Form einer roten Schaffnerkelle erinnern stark an die Bahnhofsuhren in der Schweiz. Die SBB beschwerte sich im September 2012 bei Apple und forderte Geld für die Nutzung der Gestaltung oder ein Vertriebsverbot für die Schweiz. Bereits einen Monat später hatte sich das amerikanische Unternehmen mit der SBB auf eine Lizenzzahlung geeinigt. Nach Informationen des schweizer Tages-Anzeigers soll es sich um rund 20 Millionen Schweizer Franken handeln.

Eigentlich wäre der Schutz des Designs der 1944 entworfenen Uhr längst abgelaufen, doch die SSB hat die Gestaltung 2002 als dreidimensionale Marke schützen lassen. Noch ist unklar, ob auch Mondaine von dem Geldsegen profitieren wird. Das Züricher Familienunternehmen fertigt seit 26 Jahren in Lizenz Armbanduhren im SBB-Design, die auch von der SBB verkauft werden.

Vermutlich ist bei Apple so jemand auf die Uhren aufmerksam geworden, denn Mondaine verkauft auch seine Produkte auch in den USA. Außerdem hängen im New Yorker Museum of Modern Art sowie am Flughafen von Boston große SBB-Uhren der Marke Mondaine. “Wir diskutieren mit den SBB noch, wie wir für alle Beteiligten das Beste aus der Situation machen könnten“, zitiert die Zeitung Mondaine-Chef André Berhnheim. Eventuell wird auch die Moser-Baer-Gruppe bei der SBB vorstellig und bittet um eine Beteiligung am Geldsegen. Das Unternehmen aus Sumiswald stellt unter der Marke Mobatime die Uhren her, die auf den schweizer Bahnhöfen installiert sind.

Für den staunenden Beobachter bleibt nur die Frage: Warum hat sich Apple nicht im Vorfeld um die Nutzungsrechte bemüht? Ein Unternehmen, das derart im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit steht und selbst jede nicht genehmigte Nutzung untersagt, sollte es besser wissen.


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