Von: Gerrit Maschek, Mittwoch, 1. September 2010 8:00 Uhr
Apple hat heute Nacht in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass das heutige Apple Media Event live als Video-Stream unter Apple.com verfügbar sein wird. Vor einigen Jahren gab es schon einmal live Video-Streams zu diversen Apple Präsentationen, jedoch in letzter Zeit wurden “nur” noch Aufnahmen der Events via Podcast bereitgestellt.
Allerdings sind Windows-Nutzer gekniffen, den Live-Stream kann man nur am Mac, sowie am iPhone/iPod Touch und iPad schauen. Apple verwendet seine eigene HTTP Streaming Technologie. Gründe für den plötzlichen Sinneswandel werden keine genannt, jedoch ist zu sagen, dass zum Beispiel bei der letzten Apple Präsentation, der WWDC 2010, im Raum der Vorführung sehr viele WLAN-Router von Live-Bloggern und sogennante Mifis aktiv waren und das Apple eigene WLAN störten. Steve Jobs konnte gewisse Teile seiner Vorführung nicht wie gewünscht durchführen. Des weiteren könnte dieser Schritt natürlich ein erstes Anzeichen für ein Update von iTunes sein, das seine Inhalte Wireless auf mobile Endgeräte (iPhone/iPod Touch und iPad) streamen soll, umso mehr Platz auf dem Geräten zu schaffen.
Was uns jedoch wirklich erwartet können wir um 19 Uhr deutscher Zeit live auf Apple.com in Bild und Ton mitverfolgen.
Von: Dirk Kunde, Dienstag, 31. August 2010 10:26 Uhr
„Wir haben zehntausende Vorbestellungen für die Geraete. Ohne Lieferverzögerungen hätten wir viel mehr iPhone-Verträge abschließen können“, sagt Niek Jan van Damme, Deutschlandchef der Telekom im Focus-Interview. Aktuell liege die Verzögerung für das iPhone 4 bei neun Wochen. Apple habe bisher keine genauen Gründe dafür genannt.
Verständlicherweise ist die Telekom derzeit schlecht auf den US-Partner zu sprechen, denn der Kunden-Frust landet beim Mobilfunkprovider. Die Telekom-Vorstandsmitglieder haben daraus ihre Konsequenzen gezogen und verwenden weiterhin ihre alten iPhones. Weniger als Protest, sondern mehr um ein falsches Signal an die Kunden zu vermeiden, so van Damme.
Von: Dirk Kunde, Donnerstag, 26. August 2010 13:04 Uhr
Apple hat nun bereits für den 1. September 2010 um 19 Uhr (unserer Zeit) Journalisten und Blogger zu einer Veranstaltung in San Francisco eingeladen, bei der Musik-Neuheuten vorgestellt werden. Zumindest das Gitarren-Motiv lässt vermuten, dass es um iTunes, iPod (touch) und Musik im weitesten Sinne gehen wird.
In der Gerüchteküche brodelt ein Töpfchen, dass auch iTV, der Nachfolger der Apple TV Box sowie ein Leihsystem für TV-Serien von Apple-Boss Steve Jobs präsentiert werden könnte. Die Kommentare sind nun offen für weitere wilde Spekulationen.
Von: Dirk Kunde, Dienstag, 24. August 2010 9:49 Uhr
Das Hamburger Oberlandesgericht hat entschieden: Die klangliche Identität zwischen iPod und eiPott ist zu groß, was eine markenrechtliche Untersagung rechtfertigt. Konsequenz: Koziol darf seinen Eicherbecher nicht mehr eiPott nennen. Tun sie es doch, wird ein Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten fällig.
Das mittelständische Unternehmen aus Erbach produziert auffällig gestaltete Dinge für den Haushalt. Mal nützlich, mal nur schön anzuschauen. Unter anderem einen Eierbecher in Form des Musikabspielgeräts von Apple. Wo beim iPod das Click Wheel ist, steckt das Ei und im “Display” ist Platz für Eierschale. Koziol darf die Lagerbestände noch als eiPott verkaufen, dann nennt sie das Produkt einfach Pott. Die Klage nützt vor allem Koziol, denn der Eierbecher ist nun der große Verkaufsschlager. „Die Bestellungen rattern hier nur so ’rein“, zitiert die FAZ eine Unternehmens-Sprecherin. Geschlagen geben will man sich jedoch nicht im hessischen Odenwald. Das Unternehmen denkt über ein Hauptsacheverfahren nach und lässt prüfen lassen, ob die Ansprüche von Apple eine sachliche Grundlage haben. Immerhin: Die Geschäftswortmarke iPod ist auch für „Geräte und Behälter für Haushalt und Küche“ von Apple geschützt worden.
Dennoch macht sich hier das amerikanische Unternehmen lächerlich. Zu der Entscheidung, wer wegen Markenrechtsverletzungen belangt wird, gehört eben auch Fingerspitzengefühl. Vielleicht geht das mit einer gewissen Unternehmensgröße verloren. Das Image des netten Underdogs im Computer-Markt hat Apple längst abgestreift. Von Think different keine Spur mehr. Kontrollwahn über Endgeräte und App-Store, Klagewut und lebenslange Kaufverbote für Kunden kosten Sympathiepunkte.
Natürlich muss sich ein Unternehmen wehren können, wenn jemand anders seine Produkte imitiert. Baut jemand einen MP3-Player und nennt ihn eiPott, kann Apple gern die Anwälte von der Leine lassen. Doch ein Unternehmen zu belangen, das den Apple-Hype mit seinem Produkt in einer komplett anderen Branche befeuert? Das ist kurzsichtig und unverständlich.
Der Name dieser Seite impliziert eine gewisse Begeisterung und Voreingenommenheit. Die habe ich auch, doch bezieht sie sich auf die Apple-Produkte. Das iPhone ist großartig, gleiches gilt für das iPad. Doch was Apple hier veranstaltet, ist peinlich. Wer kauft denn einen Eicherbecher in iPod-Form oder bekommt ihn geschenkt? Das sind in der Regel Apple-Fans, die ihre Produktbegeisterung mit an den Frühstückstisch nehmen. Bislang stand mein eiPott unausgepackt und unbenutzt im Regal. Das wird nun anders. Er kommt jetzt auf den Frühstückstisch, vor allem, wenn Besuch da ist und jedem werde ich sagen, der heißt eiPott.
Trotz aller Schwierigkeiten mit dem iPhone 4, es war der erfolgreichste Produktstart in der Unternehmensgeschichte. Über drei Millionen Geräte wurden verkauft. Noch erstaunlicher: Die Verkäufe des iPhones 3G S sind im dritten Quartal, das am 26. Juni endete, nicht eingebrochen. Die Besprechung des gestohlenen iPhone 4-Prototpys im April hätte durchaus zu einem Kaufstopp des aktuellen iPhones führen können. Doch mit 8,4 Millionen Smartphones lag das Ergebnis nur knapp hinter den beiden Vorquartalen.
“Das iPad hatte einen tollen Start, mehr Leute denn je kaufen Macs und wir haben noch weitere erstaunliche Produkte für dieses Jahr geplant”, sagt Apple-Boss Steve Jobs. Vom “großen iPhone-Bruder” wurden 3,27 Millionen verkauft. Mit 15,7 Milliarden Dollar Umsatz und 3,25 Milliarden Dollar Gewinn wurden neue Quartalsrekorde erreicht.
Quartal
Umsatz
Gewinn
iPhones
%
iPads
%
iPods
%
Macs
%
2010
III 10
15,70
3,25
8,40
61
3,27
-
9,41
-8
3,47
33
II 10
13,50
3,07
8,75
131
-
-
10,89
-1
2,94
33
I 10
15,68
3,38
8,70
100
-
-
21,00
-8
3,36
33
2009
37,28
6,11
20,75
78
-
-
54,14
-1,3
10,39
7
IV 09
9,87
1,67
7,40
7
-
-
10,20
-8
3,05
17
III 09
9,08
1,62
5,20
626
-
-
10,20
-7
2,60
4
II 09
8,16
1,21
3,79
123
-
-
11,01
3
2,22
-3
I 09
10,17
1,61
4,36
88
-
-
22,73
3
2,52
9
2008
32,47
4,84
11,63
-
-
-
54,82
6
9,72
38
IV 08
7,90
1,14
6,89
516
-
-
11,05
8
2,61
21
III 08
7,46
1,07
0,72
165
-
-
11,01
12
2,50
41
II 08
7,51
1,05
1,70
-
-
-
10,64
1
2,29
51
I 08
9,60
1,58
2,32
-
-
-
22,12
5
2,32
44
2007
24,00
2,50
1,39
-
-
-
51,64
31
7,05
33
IV 07
6,22
0,90
1,12
-
-
-
10,20
17
2,16
34
III 07
5,41
0,82
0,27
-
-
-
9,82
21
1,76
33
II 07
5,26
0,77
-
-
-
-
10,55
24
1,52
36
I 07
7,10
1,00
-
-
-
-
21,07
50
1,61
28
2006
19,32
1,98
-
-
-
-
39,41
-
5,30
-
IV 06
4,84
0,54
-
-
-
-
8,73
35
1,61
30
III 06
4,37
0,47
-
-
-
-
8,11
32
1,33
12
II 06
4,36
0,41
-
-
-
-
8,53
61
1,11
4
I 06
5,75
0,56
-
-
-
-
14,04
207
1,25
20
• Umsatz und Gewinn in Milliarden US-Dollar, Gerätezahlen in Millionen
• %: Prozentuale Veränderung der Verkaufszahlen gegenüber dem Vorjahr/Vorjahresquartal
* In der Orignalpressemitteilung für das zweite Quartal 2009, die mir vorliegt, meldet Apple 8,16 Milliarden Dollar Umsatz und 1,21 Milliarden Dollar Gewinn, das haben sie in der aktuellen Meldung (II 2010) nach oben angepasst.
Text und Tabelle werden quartalsweise fortgeschrieben.
Von: Dirk Kunde, Dienstag, 20. Juli 2010 10:20 Uhr
Mein heutiger Lesetipp: Fred Vogelstein beschreibt für Wired die Hassliebe zwischen Apple und AT&T. Es ist das Bild einer lieblosen Promi-Ehe, die mindestens ein halbes Dutzend Mal vor dem Aus stand – jedenfalls von Steve Jobs Seite. Aber eine Scheidung kam nicht in Frage, die technischen Hürden für einen Wechsel zu Verizon waren bislang zu hoch.
Auch AT&T war nicht immer glücklich: Anfänglich war die Telefonsoftware (Baseband) im iPhone fehlerhaft, was zu vielen Gesprächsabbrüchen führte, doch die Schuld bekam immer der Provider. Der Hashtag #attfail bei Twitter zeigt deutlich den Unmut der Nutzer.
AT&T kann sein Netz nicht so schnell ausbauen, wie der Datenhunger des iPhones wächst. Schon zu beginn habe der Provider Apple gebeten Restriktionen beim Datenabruf einzubauen. YouTube-Videos sollten auf WLAN-Verbindungen beschränkt bleiben, es sollte in geringerer Qualität gestreamt werden oder Videos nach einer Minute zu Ende sein. Apple lies sich auf nichts dergleichen ein. AT&T war es jedoch gewohnt, dass Handy-Hersteller springen und gehorchen. Ein schlechter Start in eine Ehe.
Vogelstein hat vor einiger Zeit einen tollen Artikel darüber geschrieben, wie das iPhone die Mobilfunkindustrie verändert hat – ebenfalls lesenwert.
Steve Jobs – das erste Mal mit Gürtel in der Jeans – eröffnete heute in San Francisco die WWDC 2010 (Worldwide Developers Conference) mit der Vorstellung des neuen iPhones. Die vierte Generation heißt schlicht und einfach: iPhone 4.
In den USA wird es 199 Dollar (16 GB) und 299 Dollar (32 GB) kosten und weiterhin an einen AT&T-Vertrag gebunden sein. Der Verkauf startet am 24. Juni 2010 – auch in Deutschland. Die restlichen Länder folgen im September (insgesamt 88). Der Preis des iPhones 3G S sinkt dann in den USA auf 99 Dollar.
Die neuen Funktionen:
Ein komplett neues Design
Frontkamera
LED-Blitz auf der Rückseite
Glas auf Vorder- und Rückseite, der Rahmen aus Stainless Steel ist gleichzeitig die Antenne des Smartphones.
Das iPhone 4 ist 24 Prozent dünner. 9,3 statt 12,3 mm beim iPhone 3G S
Viermal mehr Pixel auf dem so genannten Retina Display: 326 Pixel pro Inch. Es hat eine Auflösung von 960 x 640 px und einen Kontrast von 800:1
Micro-SIM-Karte
Zweites Mikrofon zur Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen
Die Batterie ist größer und soll 40 Prozent mehr Leistung bringen
Chip: A4 – Eigenentwicklung von Apple
Gyroscope (Kreisel-Sensor): erkennt zusammen mit dem Bewegungssensor (Accelerometer) Bewegungen in sechs Richtungen. Perfekt für Spiele und Navigations-Anwendungen
5-Megapixel-Kamera: 5-facher Digitalzoom, HD-Videoaufnahmen in 720p, Manueller Fokus in Videoaufnahmen, LED-Licht kann auch für Videoaufnahmen verwendet werden.
iMovie (4,99 Dollar) auf dem iPhone: Filme auf dem Smartphone bearbeiten: Übergänge, Titel etc.
Es stockt gerade ein wenig in den Live-Blogs, da Steve alle gebeten hat, ihre Laptops und iPhones ruhen zu lassen. Im Raum sind 570 Geräte, die am WLAN saugen, was dazu geführt hat, das eine Vorführung mit dem iPhone 4 bei Steve einen Ladefehler zeigte. Solche Peinlichkeiten mag His Steveness nicht. Mal sehen, ob die Szene im Video morgen drin ist.
OS 4 für das iPhone
Mittlerweile sind weltweit 100 Millionen Geräte, die das iPhone OS nutzen (iPod touch, iPads, iPhones) im Markt. Was die vierte Version des iPhone-Betriebssystems kann, ist schon bekannt, Steve geht es noch mal kurz durch.
1500 Entwickler APIs, 100 neue Nutzer-Funktionen
Multitasking
Ordner für die App-Icons
Unterstützt mehrere Exchange-Server-Konten
SSL VPN-Support für mehr Sicherheit im Unternehmenseinsatz
Bing (Microsofts-Suchmaschine) als dritte Suchoption neben Google und Yahoo!
Retina-Display Support: das Betriebssystem bringt die bisherigen Apps auf die höhere Auflösung des neuen Displays
iBook auf dem iPhone und iPod touch: Bücher können gekauft, heruntergeladen und gelesen werden
iAd: Entwickler können Werbung in ihren Apps zulassen, erhalten dafür 60 Prozent des Umsatzes. Der Nutzer verlässt bei einem Fingertipp auf die Anzeige nicht die App. Als Anzeigenkunden sind bereits dabei: Nissan, Citi, Unilever, AT&T, Chanel, GE, Campbell´s Soup, JCPenny, Target, Best Buy und Disney.
OS4 ist als Update ab dem 21. Juni 2010 verfügbar. Allerdings unterstützen iPhone 3G und iPod touch nicht alle Funktionen. Wann das OS4 für das iPad kommt, erwähnte Jobs leider nicht.
One more thing…
Video-Telefonate werden mit dem iPhone per WLAN möglich, Jobs nennt sie Face Time. Das funktioniert von einem iPhone 4 zu einem iPhone 4 (Frontkamera notwendig) im Hoch- und Querformat. Für Telefonate in 3G-Mobilfunknetzen seien noch einige Gespräche mit den Providern notwendig, so Jobs. Die Technik hinter Face Time wird Apple als offenen Standard anbieten, so dass auch andere Hersteller ihn nutzen können. Apple setzt hier auf eine möglichst schnelle und große Verbreitung.
AppStore
Es gibt 150 Millionen Nutzerkonten (mit hinterlegter Kreditkarte) bei iTunes. Mittlerweile sind 225.000 Apps verfügbar und Apple zählt fünf Milliarden Downloads. Es werden 15.000 neue Apps und Updates pro Woche bei Apple zur Prüfung eingereicht. 95 Prozent davon werden innerhalb von sieben Tagen freigeschaltet. Der Rest schafft es nicht, weil die App nicht das macht, was der Entwickler angegeben hat, die App abstürzt oder verbotenerweise private Schnittstellen (APIs) nutzt.
Firmenvertreter von Netflix, eBay, Activision (Guitar Hero) und Zynga (Farmville für das iPhone ab Ende Juni) stellen Apps vor.
iPad
Seit dem Start wurden zwei Millionen iPads, alle drei Sekunden eins, verkauft. Aktuell wird es in zehn Ländern angeboten, bis Ende Juli in 19. Bislang gibt es 8.500 Apps für das “große iPhone”. In den ersten 65 Tagen wurden über fünf Millionen Bücher heruntergeladen. Das macht aus dem Stand einen Marktanteil von 22 Prozent in den USA, sagen fünf der sechs größten Verlage.
Mit dem nächsten Update von iBooks wird das Lesen von PDF-Dokumenten möglich sein. Man kann sich Notizen wie auf einem Post-it in Büchern machen.
Ungewöhnlich offen, versöhnlich und launig zeigte sich Steve Jobs im Gespräch bei der D8 Conference. Der Ableger des Wall Street Journals, All Things Digital, veranstaltete die Technologiekonferenz imkalifornischen Rancho Palos Verdes. Der Apple-Boss war zuletzt 2007 hier auf der Bühne. Im Interview mit den Journalisten Kara Swisher und Walt Mossberg sowie zu den Fragen aus dem Publikum äußerte er sich zum Konkurrenzkampf mit Microsoft, den er nie als einen solchen empfunden hätte, mit Google und Adobe.
Flash: “auf dem absteigenden Ast”
Er versicherte, die Entscheidung gegen Flash auf den mobilen Geräten sei eine rein „technische Entscheidung“ gewesen, und HTML 5 sei nun mal der Standard der Zukunft. Flash befinde sich “auf dem absteigenden Ast”. Die Leute hätten Apple für verrückt erklärt, als sie im iMac auf die Floppy-Disk verzichteten. “Manchmal muss man sich genau anschauen, welches Pferd man reitet, das einen wirklich nach vorne bringt“, sagte Jobs. Zu seinen offenen Worten auf Apples Webseite sah er sich “gezwungen”, als Adobe in Presseberichten wiederholt Apple den schwarzen Peter zuschob.
Die Post-PC-Ära
Die Frage, wie sich die Computerindustrie mit Einführung des iPads verändern wird, beantwortet er mit einer Analogie. “Als unser Land noch landwirtschaftlich geprägt war, fuhren alle Trucks. Aber als Leute in die Städte zogen, bevorzugten sie PKWs. Der PC sei ein Truck. Jobs verriet auch, dass die Pläne für ein iPad viel älter seien als für ein iPhone. Doch als er erste Prototypen für eine berührungsempfindliche Glasoberfläche zu sehen bekam, war ihm klar, das man damit eher ein Telefon machen müsste.
“Mein Sex-Leben ist gut.”
Gefragt, ob sich Jobs von Google betrogen fühle, nachdem aus einer Partnerschaft, eine erbitterte Konkurrenz geworden ist, sagt Jobs zu Walt Mossberg: “Mein Sex-Leben ist gut, wie ist Ihres?” Auf das Thema will er nicht weiter eingehen. Gefragt nach der Übernahme von Siri, die gesprochene Suchanfragen in Trefferlisten umwandeln, verneint Jobs in den Suchmarkt einsteigen zu wollen. Für ihn sei Apple ein Unternehmen, das sich lediglich bemühe, die besten Produkte der Welt zu entwickeln. Da, wo sie das nicht schaffen, lassen sie es sein. Was ihn dabei motiviere, seien beispielsweise Mails von wildfremden Menschen, die ihm schildern wie großartig das iPad ist, das sie gerade gekauft haben. “Das motiviert mich, es war immer so und wird auch zukünftig so sein.”
iAd: “Es kotzt uns an”
Die Frage, warum sie bei der Werbeplattform iAd die Hand auf Hosting und Verteilung halten, beantwortet der Apple-Chef sehr launisch: ”Es kotzt uns an, dass da jemand Details über unsere neuen Geräte veröffentlicht hat.” Hintergrund: Das Analyse-Unternehmen Flurry hatte seinen Code in Apps platziert, die Nutzerverhalten auswerten. So konnte das Unternehmen über neue Prototypen im Testbetrieb auf dem Apple-Gelände berichten. Jobs ist wütend über die Verletzung der Privatsphäre der iPhone-Nutzer, weil die nicht gefragt wurden und vor allem weil Apple nicht gefragt wurde. Jobs würde mit Analysefirmen über die Möglichkeiten der Auswertung sprechen – aber dieser Tage sei noch nicht gekommen. Noch ist er “too pissed off“.
“Jemand sollte einen Film daraus machen”
Über den verlorenen iPhone-Prototype sagte er: “Wenn man ein mobiles Gerät macht, muss man es auch draußen testen.” Noch sei unklar, ob es wirklich liegen gelassen wurde oder aus einer Tasche gestohlen. Das sollen die laufenden Ermittlungen ergeben. Aber es sei eine wirklich gute Geschichte, so Jobs: “Da ist Diebstahl, Hehlerei, Erpressung und sicher irgendwo auch Sex im Spiel. Jemand sollte einen Film daraus machen“. Viele im seinem Umfeld hätten ihm geraten, nicht juristisch gegen den Gizmodo-Redakteur vorzugehen. Doch Jobs hätte das als Aufgabe seiner Werte empfunden.
iPad als Retter der Verlagsbranche?
Jobs bricht eine Lanze für den professionellen Journalismus: “Ich will nicht sehen, wie wir zu einer Nation von Bloggern absteigen.” Balsam für die Seele der Veranstalter, immerhin ein Zeitungshaus. Jobs glaubt, dass Leute für Inhalte bereit sind, zu zahlen. iTunes belege dies bei Filmen und Musik. Die Inhalteanbieter müssten ihre Preise noch agressiver gestalten. Eine Aussage, die viel Raum für Deutungen lässt. Der Apple-Boss glaubt, Redakteure seien heute wichtiger denn je. Alles was er tun könne, um Zeitungshäusern neue Wege für den kostenpflichtigen Vertrieb ihrer Inhalte zu bereiten, würde er unterstützen. Auf eine Publikumsfrage hin erklärt er, warum Apple TV wahrscheinlich noch länger ein “Hobby” bei Apple bleiben werde. Es sei ein Marketing- und Verkaufsproblem, das ihn bislang davon abgehalten hat, eine vollwertige Settop-Box auf den Markt zu bringen. “Google werde das bald auch noch lernen.”
Von: Dirk Kunde, Dienstag, 6. April 2010 18:11 Uhr
Oh, Mann liegt das gut in der Hand. Das iPad ist etwas kleiner als ein DIN A4-Blatt und so schwer wie ein solider Geschäftsbericht (680 Gramm). Dabei ist es ganz egal wie herum ich es halte. Die Icons oder Apps richtigen sich immer wieder aus. Da kann auch mal der Home-Button oben sein. So viel Rücksicht auf das Nutzerverhalten ist man als Anwender ingenieurs-getriebener Geräte anderer Unternehmen nicht gewohnt. Allerdings hakt die automatische Ausrichtung bei klassischen iPhone-Apps im Test ein wenig.
Das Display ist mit jeweils 20 App-Icons und sechs Icons im Dock locker bestückt. Man blättert wie beim iPhone, die Icons werden auch wie gewöhnt verschoben. Die Anzahl der Bildschirme ist ebenfalls auf elf limitiert.
Texte tippen
Das iPad liegt trotz gewölbter Rückseite ruhig auf dem Tisch. Da wackelt nichts. Die Tastatur ist im Querformat wohltuend groß – auch für Männerfinger. Allerdings sollten die Fingernägel schön kurz sein, denn das Display reagiert auf Hautkontakt. Ich komme mit meinem Zehnfingersystem auf der Glasoberfläche gut klar. Vertipper korrigiert die Rechtschreibkontrolle. Zwar gibt der Anschlag keine haptische Rückmeldung, aber wer mag, kann einen Ton beim Tastenanschlag aktivieren. Das hilft.
Die Stärken
Das iPad ist, was die Strategen jahrelang als Multimedia-Gerät bezeichnet haben. Serien schauen, Filme angucken, Fotos durchblättern und Texte lesen – dafür ist das Tablet gemacht. Durch das Kinderbuch Winnie the Pooh zu blättern fühlt sich einfach gut an. Schriftart- und größe sowie Helligkeit lassen sich einstellen. Die farbigen Zeichnungen des kleines Helden sind toll eingebunden, und man blättert wie in einem gedruckten Buch von Seite zu Seite. Noch cooler ist für größere Jungs die App von Marvel, um Comics zu lesen. Auch die blättert man durch oder vergrößert mit einem Doppelklick einzelne Bilder. Das passiert alles ganz intuitiv. Also, ich werde Papier ganz bestimmt nicht vermissen.
Der große Bruder vom iPhone ist perfekt für den Einsatz auf der Couch. Man schaut mal eben nach Mails, stöbert auf Webseiten und aktualisiert seinen Status bei Facebook, ohne den Rechner anschmeißen zu müssen. Das iPad ist nämlich sofort startklar.
Die Schwächen
Die Pixelverdoppelung bei den bisherigen Apps hat mich nicht überzeugt. Das sieht in den meisten Fällen gruselig aus. Auf einem 500 Dollar-Gerät möchte ich keine pixelige Schrift lesen. Bei den meisten Apps bleibt sogar ein dicker schwarzer Rand, da sie die Diagonale von 24,6 Zentimetern nicht ausnutzen. Hier kann man nur hoffen, dass die Entwickler schnell nachlegen und sämtliche Apps in der passenden Auflösung präsentieren. Doch damit düfte der AppStore noch unübersichtlicher werden (habe ich die richtige Version für mein Gerät (iPad, iPhone mit und ohne GPS, Kompass etc.)?
Installation
Man ist extrem schnell damit fertig – insbesondere die MobileMe- und iPhone-Nutzer. Wer den Apple-Datendienstes abonniert hat, lädt alle Einstellungen, Bilder, Kalender- und Kontakteinträge aus der “Wolke” auf das iPad. iPhone-Nutzer werden bei der Verbindung mit iTunes gefragt, ob das Backup mit allen Apps und Daten übernommen werden soll.
Was fehlt
Die Verbindung zur Außenwelt nur per WLAN (und später Mobilfunk) ist etwas mager. Eigentlich würde man auch gern Fotos aus anderen Kameras in die Diashow einbauen. Ein SD-Card-Slot wäre klasse. Noch viel wichtiger wäre die Anbindung zu einem Drucker, per Bluetooth oder WLAN. Eigentlich sollten es in den Einstellungen eine Option für Drucker geben, bei der man sich nur noch den Treiber laden muss. Als Kamera wird man das iPad wohl seltener nutzen. Daher fehlt die Kamera auf der Rückseite kaum. Auf der Vorderseite würde ich mir allerdings eine wünschen. Videochats mit dem iPad könnte ich mir gut vorstellen und wären eine nette Ergänzung zur Telefonie.
Leider kann man das iPad weder am Laptop noch mit dem iPhone-Adapter aufladen. Die Batterie hat eine höhere Leistungsaufnahme und funktioniert daher nur mit dem eigenen Steckdosenadapter. Der Dock-Connector ist allerdings wie beim iPhone, mit dem Kabel kann man also Synchronisieren.
Das gebe ich nicht mehr her
Sorry Diddo, das gebe ich nicht wieder her. Ob mich der Besitzer des Test-iPads über MobileMe orten kann? Ach, bestimmt. Also, vielen Dank an den Inhaber von drdcc media und iPhone-Fan-Gastautor Diddo Ramm. Er hat das iPad als einer der ersten Deutschen am Ostersamstag in Florida gekauft hat. Hier sein Auspack-Video bei Facebook.
Apple erinnert seine Kunden per Mail an die Möglichkeit, ab heute den iPad vorzubestellen. Entweder für den Versand oder eine Abholung in einem Apple Store am 3. April 2010. Das klappt allerdings nur in den USA.
Wir Europäer müssen uns noch bis Ende April gedulden.