Apps funktionieren international. Entwickler können ihre Umsätze deutlich steigern, wenn sie den Markt durch fremdsprachige Versionen vergrößern. Dafür muss die jeweilige App jedoch der Sprache und den Gepflogenheiten angepasst werden. Hier lauern Stolpersteine, wie Christian Arno von Lingo24 zu berichten weiß.

Grundlegende Aufgabe des Lokalisierens ist die Übersetzung der textlichen Anteile einer App. Übersetzer sollten darauf achten, auch Maßeinheiten, Datums- und Zeitangaben ins passende Format zu setzen.

Beispiel: Der siebte Juni 2011 kann etwa in Deutschland als 07/06/11 dargestellt werden, in den USA als 06/07/11. Grundsätzlich sollte man als Entwickler nicht vorschnell denken, man hätte etwa mit einer englischsprachigen App automatisch eine attraktive Variante für alle englischsprachigen Länder im Angebot:  In den USA wird ein anderes Englisch gesprochen als in Großbritannien und spanisches Spanisch ist nicht gleich dem mexikanischen. Je nach App ist das wichtig.

Neben der Sprache muss die gesamt App inklusive Nutzerführung und Abbildungen überprüft werden. Kulturelle Einflüsse spielen bei Apps wie bei Computer-Software oder Websites eine entscheidende Rolle für Antworten auf die Frage, ob der jeweilige fremdsprachige Nutzer die lokalisierte Version akzeptiert oder nicht.

Beispiele:

  • Leserichtung: Einfaches Beispiel ist etwa die Leserichtung, die in Deutschland von links nach rechts, in verschiedenen arabischen Ländern aber bei Fließtext von rechts nach links führt. Dadurch wandert auch der Blick eines Users anders über das Display, sodass eventuell die Platzierung von Elementen in der jeweiligen App verändert werden muss.
  • Farbgebung: Bisweilen muss bei der App Lokalisierung auch die unterschiedliche Symbolik von Farben berücksichtigt werden. Bestimmte Grüntöne sind in arabischen Ländern beispielsweise religiösen Inhalten vorbehalten und sollten für Apps mit anderen Inhalten vermieden werden. Rot steht in Deutschland für „Liebe“, „Feuer“, aber „auch Gefahr“. In China symbolisiert die Farbe vor allem „Glück“, „Reichtum“ und auch „Ruhm“.
  • Zeichen und Symbole: Zeichen und Symbole können bei einer App teils Sprache komplett ersetzen, was bei der Lokalisierung etwa Übersetzungskosten spart. Allerdings muss dabei beachtet werden, dass auch Symbole kulturspezifisch sind und nicht stets überall verstanden werden. Briten nutzen etwa bisweilen das Tischsymbol als Zeichen für „Tabelle“ und die stilisierte Tatze als Zeichen für eine Pausenfunktion. In Deutschland sind solche Zeichen noch eher unbekannt.

Die Marktanalyse

Bevor man die Lokalisierung einer App überhaupt in Auftrag gibt, sollte man sich den App-Markt des Ziellandes, für die eine lokalisierte Version gedacht ist, erst einmal genauer ansehen. Die USA sind aufgrund der Marktdurchdringung sicher am spannendsten für Entwickler. Folgende Fragen sollte man beantworten:

  • Wie viele Menschen im jeweiligen Land nutzen überhaupt Apps auf dem Smartphone und wie intensiv ist diese Nutzung?
  • Welche Art von Apps wird im jeweiligen Land besonders nachgefragt? (Info-App, Spiele-App, Navi-App…)
  • Falls eine kostenpflichtige App geplant ist: Wie hoch ist die Bereitschaft im jeweiligen Land, für eine App zu zahlen?
  • Welche Smartphones mit welchem Betriebssystem werden besonders häufig im jeweiligen Land genutzt?

Bei der Suche nach Antworten auf die Frage, ob sich die Lokalisierung einer App für ein bestimmtes Land lohnt oder ganz generell, für welches Land eine lokalisierte Version der eigenen App sinnvoll sein könnte, helfen Studien. Die sind bisweilen natürlich ganz schön teuer, allerdings gibt es auch brauchbare kostenlose Informationen, wenn man ein bisschen recherchiert:

So fand etwa die Nielsen-Studie „Mobile Youth Around the World“ im Vergleich von 15- bis 24-Jährigen in Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien heraus, dass in Deutschland, Italien und Spanien zwischen zwölf und fünfzehn Prozent der Befragten Apps auf ihr Mobilephone laden. In Großbritannien waren es 25 Prozent, sodass das Land bei Apps für die untersuchte Altersgruppe als besonders interessant gelten kann.

ComeScore Inc. veröffentlichte im Oktober 2010 eine Studie über Mobilfunknutzung in Japan, den USA und Europa. 42,3 Prozent der japanischen Smartphone-Nutzer nutzten Apps. Dem standen 31,1 Prozent in den USA und 24,9 Prozent in Europa gegenüber. Japan scheint also ein besonders interessanter Markt für Apps zu sein, allerdings: Zum Spielen nutzten laut Studie nur 16,3 Prozent der Japaner ihr Smartphone, allerdings 22,5 Prozent der US-Amerikaner und 24,1 Prozent der Europäer.

Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Die gesamte Lokalisierung preislich einzuschätzen, ist nicht einfach, da sie – je nach Art der App – einen unterschiedlich hohen Aufwand erfordert. Einfacher lassen sich Kosten pauschal kalkulieren, wenn es sich bei einer Lokalisierung um eine reine Übersetzung der Texte handelt. Viele Apps kommen mit einer Wortmenge von maximal 500 Wörtern aus, sodass sich die Kosten oftmals in Grenzen halten. Ein möglicher Marktpreis für die Übersetzung von 1.000 Wörtern sind beispielsweise etwa 180 Euro, sodass für 500 Wörter 90 Euro anfallen würden.

Dieser Gastbeitrag stammt von Christian Arno, Gründer und Geschäftsführer des internationalen Übersetzungsunternehmens Lingo24, das auf Website-Lokalisierung spezialisiert ist.

1 KOMMENTAR

  1. Im Marketing ist die Lokalisierung das A & O für Erfolg von Kampagnen. Ähnlich verhält es sich auch mit der Suchmaschinenoptimierung. Die Suchgewohnheiten und damit auch die verwendeten Sprachen der Zielgruppen stehen im Mittelpunkt der Analyse. Sprache ist nun einmal das Mittel für Kommunikation und Zugehörigkeit.

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