Apples Zulassungsregeln für den App Store sind etwas willkürlich, das ist bekannt. Bei der App Adolf Hitler SE hätten sie aber mal ruhig etwas genauer hinschauen dürfen. Die App nutzt ein Bild von Adolf Hitler sowie das Hakenkreuz. Das ist in Deutschland verboten. Einzige Hintertür: Die Abbildung ist erlaubt, „wenn sie der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.

Die englischsprachige App für 79 Cent verkauft sich als „Encyclopedia„. In der Beschreibung heißt es: „You can copy full text and full pictures, to paste and send by eMail…“ Wozu sollte man die Texte an jemanden weiterschicken? Hier hat Apple einen durch´s Netz gehen lassen.

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Außerdem heißt es im Strafgesetzbuch § 86 (1) 4.: „Wer Propagandamittel, die nach ihrem Inhalt dazu bestimmt sind, Bestrebungen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation fortzusetzen, im Inland verbreitet oder zur Verbreitung im Inland oder Ausland herstellt, vorrätig hält, einführt oder ausführt oder in Datenspeichern öffentlich zugänglich macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Auf Anfrage von iPhone-Fan sagt Apples Pressesprecher für Deutschland, Georg Albrecht: „Wir schauen uns das jetzt noch mal näher an.“ Die Zulassung der Apps geschieht in den USA, da kann es schon mal sein, dass einer der Prüfer die regionalen Gesetze nicht kennt. Dennoch sollte jede Landesniederlassung die Zentrale in Cupertino vorab auf derartige Stolpersteine aufmerksam machen.

Als Entwickler ist Hugo Henriquez angegeben. Ein Klick auf die Support-Seite für zu Encyclopedia Suite, auf deren Homepage ist die App allerdings nicht aufgeführt. Da geht es um den menschlichen Körper, Geschichte und Architektur. Die Texte und Bilder in der App stammen größtenteils aus dem englischsprachigen Eintrag zu Adolf Hitler bei Wikipedia.

Nachtrag 18.11.2010: Die App ist mittlerweile aus dem deutschen App Store entfernt worden. Wer extrem neugierig oder ein ewig Gestriger ist, findet sie noch im US-Store.

Wer nur wissen will was drin steht, schaut einfach beim englischsprachigen Wikipedia-Eintrag von Adolf Hitler. Mal abgesehen vom Hakenkreuz, wie ein derartige „Copy and Paste“-App, die nur Inhalte klaut, bei Apple durchgewunken wird, ist mir schleierhaft. Wenigsten ist Adolf stets bekleidet abgebildet. Die App des Magazins stern ist mal unangekündigt für eine Woche aus dem App Store geschmissen worden, weil über eine Nude-Art-Ausstellung berichtet wurde – da waren nackte weibliche Brüste zu sehen.

5 KOMMENTARE

  1. Hi @ all,
    ich kann mir nicht vorstellen das es bei der App um Verherrlichung geht, sondern viel mehr um eine Aufklärung bzw. eine sachliche Auseinandersetzung.Sonst würde Apple
    sowas NIEMALS zulassen.Man kann nun durchaus darüber Diskutieren ob das Logo wirklich nötig war oder nicht.Ich persönlich hätte das Hakenkreuz als solches nicht genommen.
    Beste Grüße.
    ^,..,^

  2. Ich finds echt unverschämt, dass sowas einfach so die Kontrollen passieren kann. Ich hatte mir von den Kontrollen eigentlich erhofft, dass genau sowas eben NICHT passiert. Aber wie es scheint hab ich mich da geirrt.

    Und was die bisherigen Kommentare angeht, da sag ich jetzt mal nichts zu! Da sollte aufgrund seiner Schulbildung jeder selbst wissen wie er auch nach so „vielen“ Jahren zur Verhinderung des Vergessens von so einer Aktion wie dem Holocaust steht!

  3. Ja mei, man kann sich auch künstlich aufregen. In jeder Ausgabe des Spiegel gibt es mehr Hitlerbildchen und Hakenkreuze als in der ganzen App – und ob zum Beispiel der Spiegel der Forschung und Lehre dient wage ich inzwischen doch stark zu bezweifeln…

  4. Die App dient ja mehr oder weniger „der Forschung oder der Lehre“, nicht?
    Gut, die konkrete Verwendung des Swastikas im Logo natürlich weniger.

  5. Ist DAS in 2010 wirklich ein Problem … ich glaube nicht.

    So lange in der APP keine Verherrlichung sondern eine sachliche Auseinandersetzung erfolgt, sehe ich darin kein Problem.

    ABER der Entwickler hätte darauf achten können und sollte es vielleicht von sich aus entfernen (Das Symbol, nicht die App)

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