Auf ein Auto mit angebissenem Apfel auf der Motorhaube müssen wir noch etwas warten. Aber stimmt der Bericht des Wall Street Journals arbeiten bereits einige hundert Menschen unter dem Codenamen Titan an einem Apple-Auto. CEO Tim Cook habe bereits vor einem Jahr das Budget dafür bewilligt. Unter der Leitung von Steve Zadesky, der drei Jahre bei Ford tätig war, wird ein Entwicklerteam mit bis zu 1.000 Leuten zusammengestellt. Laut Claycord.com fahren bereits Mini-Vans mit Kamera auf dem Dach durch Concord, Kalifornien. Die Fahrzeugen seien auf Apple zugelassen. Einen Kommentar des Unternehmens dazu gibt es – wie immer – nicht.

Auto-begeisterter Vorstand

Der Apple-Vorstand ist ziemlich auto-affin. Eddy Cue sitzt im Aufsichtsrat von Ferrari. Marketingchef Phil Schiller nennt Autos direkt nach Apple und Sport bei seinen Interessen im Twitter-Profil. Finanzchef Luca Maestri kennt die Autoindustrie sehr gut. Er hat etliche Jahre die Internationalisierung von General Motors vorangetrieben. Chefdesigner Jonathan Ive besitzt eine beeindruckende Auto-Sammlung, vornehmlich britischer Hersteller vom Bentley Brooksland bis zum Aston Martin Vanquish. Im Design-Team arbeitet mit Julian Hönig bereits einen erfahrenen Fahrzeug-Designer, der zuvor für Audi und Lamborghini tätig war. Seit vergangenem Herbst steht auch der ehemalige Chef der Entwicklungsabteilung von Mercedes-Benz in Nordamerika, Johann Jungwirth, auf Apples Gehaltsliste.

Mini-Van mit Kamera auf dem Dach (c) claycord.com Apple Auto
Mini-Van mit Kameras auf dem Dach (c) claycord.com

Disruptive: Märkte aufwecken

Disruptive ist das Schlagwort im Silicon Valley. Es geht darum, etablierte Märkte aufzurütteln und Dinge zu verändern. Apple hat damit bereits einige Übung. Mit dem iPhone betrat das Unternehmen 2007 den Handy-Markt und wurde von Hardwareherstellern und Branchenbeobachtern belächelt. 2010 wurde das Segment Tablet-PC durch das iPad mit Leben gefüllt. Im April 2015 kommt die Apple Watch – Lifestyle-Produkte sind ebenfalls ein neues Segment für den Konzern. Das Bezahlsystem Apple Pay hat die Finanzbranche weniger belächelt, sondern direkt umarmt. Es wird von allen großen Banken und Kreditkartenunternehmen in den USA unterstützt.

Steve Jobs hatte Pläne für ein iCar

Gerüchte, dass Apple in den Automarkt wolle, gab es immer wieder. Steve Jobs hätte zu seinen Lebzeiten gern ein iCar realisiert. Der Apple-Chef war schwer beeindruckt von der Plattform, die Tesla um sein erstes Modell, den Roadster, aufgebaut hatte, verrät Millard S. Drexler, Chef des Klamottenkaufhases J. Crew, und von 1999 bis 2015 Board-Mitglied bei Apple in dem eingebetteten Video (bei 1:17:19). Ein Apple Auto wird mit Sicherheit durch einen Elektromotor angetrieben. Zum einen spielt bei dieser Technologie das Energiemanagment per Software eine entscheidende Rolle und genau in diesem Bereich hat Apple Erfahrung. Zum anderen ist Apple an nachhaltigen Technologien interessiert, die den Treibhaus-Effekt reduzieren. Apple ist einer der größten Erzeuger von Solarenergie in Nordamerika.

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Mobilität nicht Google überlassen

Der zukünftige Wettbewerb spielt auch eine Rolle. Mobilität wird zu einem Service, wenn selbstfahrende Elektroautos ihre Fahrgäste in Metropolen von A nach B kutschieren. Diesen Markt will Apple nicht komplett Google überlassen. Die sind mit ihrer Beteiligung an Uber und den Testläufen für das selbstfahrende Auto schon zwei Schritte weiter. Apple hat mit Car Play erst einen Schritt in Richtung Bord-Elektronik getan.

Auch Tesla hat bei Null in Sachen Elektroauto angefangen. Die hatten Glück, das mit der Nummi-Fabrik in Kalifornien die Auto-Fabrik von Toyota/General Motors zum Verkauf stand, die nur modernisiert werden musste. Das Beispiel Tesla zeigt aber auch, wie schwer der Schritt in den Massenmarkt ist. Der Tesla X, eine Mischung aus SUV und Mini-Van sollte bereits auf dem Markt sein, nun kommt er ein Jahr später, Anfang 2016. Das Unternehmen schrieb im jüngst abgelaufenen Quartal 107 Millionen Dollar Verlust und die Absatzzahlen – vor allem in China – blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Schneller als auch günstiger könnte ein Apple-Auto Realität werden, wenn Apple Tesla übernimmt. Entsprechende Gerüchte tauchen immer wieder auf. Die geografische Nähe der beiden Unternehmen und der vergleichbare, design-orientierte Ansatz würde gut zusammen passen. Schließlich ist der Tesla S ein rollendes iPad, das war jedenfalls meine erste Assoziation bei meinem Test-Wochenende.

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