Das Apple Auto wird Realität. Laut Wall Street Journal (kostenpflichtig) will Apple sein Elektroauto bis 2019 serienreif haben. Gerüchte zu einem iCar gibt es schon länger, spätenstens seit der Projektname Titan die Runde machte und Apple vorgeworfen wird, verstärkt Tesla-Mitarbeiter abzuwerben, brodelt ist. Nun haben die Apple Auto-Entwickler grünes Licht vom Vorstand bekommen. Angeblich trafen sich Apple-Mitarbeiter bereits im August mit der kalifornischen Kfz-Zulassungsbehörde. Unklar ist, ob Apple bereits einen (selbstfahrenden) Prototyen besitzt, den man auf öffentlichen Straßen testen möchte.

Ein Auto ist ein konsequenter Schritt bei der Produkterweiterung von Apple, denn es ist das ultimative mobile Gerät. Es wird täglich genutzt und ist für viele Menschen immer noch DAS Statussymbol. Kritiker werden einwenden, Apple verfüge über keinerlei Erfahrung beim Fahrzeug. Die hatten vor 2007 auch nicht beim Bau von Handys. Auf dem Markt gibt es ausreichend Zulieferer und Auftragsfertiger, die bei Komponenten bzw. der Montage behilflich sein werden. Es muss ja nicht gleich eine eigene Fertigung sein, wie sei Tesla im kalifornischen Fremont von Toyota übernommen hat. Außerdem steckt „des Pudels Kern“ in einem Elektroauto im Batteriemanagement, den Assistenzsystemen sowie den digitalen Bedienelementen, kurz gesagt in der Software. Und das dürfte Apple können.

Steve Jobs wollte ein iCar

Schon Steve Jobs war eine Bewunderer des Tesla-Konzepts. Glaubt man Millard S. Drexler, dem CEO der Bekleidungskette J. Crew und bis vor kurzem im Apple-Aufsichtsrat, dann hat Jobs in einem Board-Meeting das Konzept des ersten Tesla Roadster in höchsten Tönen gelobt. An liebsten hätte Jobs selbst ein iCar entwickelt.

Auch der heutige Apple-Vorstand darf ohne Übertreibung als Auto-begeistert beschrieben werden: Der Chef für Software und Services, Eddy Cue, sitzt im Aufsichtsrat von Ferrari. Marketingchef Phil Schiller nennt in seinem Twitter-Profil Autos direkt nach Apple und Sport als Interessen. Finanzchef Luca Maestri hat 20 Jahre lang die Internationalisierung von General Motors vorangetrieben. Design-Boss Jonathan Ive besitzt eine beeindruckende Auto-Sammlung, vornehmlich britischer Hersteller vom Bentley Brooksland bis zum Aston Martin Vanquish.

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Apple Auto vs. Google-Ei

Apple hat bei dem Schritt wohl weniger die VWs, Daimlers und Toyotas dieser Welt in Sinn als viel mehr Google. Der große Wettbewerber testet bereits selbstfahrende Autos auf öffentlichen Straßen in den USA. Die sehen aus wie ein Ei und haben weder Lenkrad noch Gas- oder Bremspedal. Bislang war Apple nur über CarPlay im Auto vertreten. Doch lediglich eine Anbindung des iPhones an die Bedienelemente reicht nicht aus. Zudem: Die Displays im Auto sind zum „Gesicht“ eines Wagens geworden und haben großen Einfluss auf die Kaufentscheidung der Kunden. Diese Bildschirme Apple und Google zu überlassen, ist ein gewagtes Spiel der Autohersteller. Wobei das nun auch egal ist. Die klassischen Autohersteller sehen sich jetzt mit Tesla, Google und Apple neuen Konkurrenten gegenüber.

Die Projekt-Gruppe Titan bei Apple ist angeblich bereits 600 Mitarbeiter stark und soll auf 1.800 Leute anwachsen. Geleitet wird sie von Steve Zadesky, der zuvor für Ford tätig war. Im Design-Team von Apple arbeitet mit Julian Hönig bereits ein erfahrener Fahrzeug-Designer, der zuvor für Audi und Lamborghini gearbeitet hat. Seit vergangenem Herbst steht der ehemalige Chef der Entwicklungsabteilung von Mercedes-Benz in Nordamerika, Johann Jungwirth, auf Apples Gehaltsliste. Sein Spezialgebiet: Connected Cars. Know how ist also vorhanden, wir dürfen gespannt sein, wie das erste Auto mit angebissenem Apfel auf der Motorhaube aussehen wird.

Wer sich für das Thema interessiert: Für die Mac Life (11/2015) beschreibe ich anhand der Tesla-Supercharger-Rallye warum der Tesla S die perfekte Vorlage für ein Apple-Auto ist.

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