Die Eröffnung der WWDC 2016, Apples 27. Entwicklerkonferenz, im Bill Graham Civic Auditorium in San Francisco wurde zu OS-Festspielen. Tim Cook und Kollegen konzentrierten sich auf Neuerungen in Betriebssystemen. Apple pflegt nun vier (!) davon: iOS 10, macOS (ehemals OS X), watchOS und tvOS. Die neuen Versionen kommen alle im Herbst 2016. Neue Hardware gab es keine zu sehen.

SaintBoz rockt die WWDC 2016

Dafür gab es neue Gesichter auf der Bühne zu sehen. Zwei Frauen durften für Apple Anwendungen präsentieren. Das absolute Highlight der zweistündigen Show: Bozoma Saint John, da war sich das gesamte Netz einig: Die Marketingfrau für Apple Musik ist ein Knaller. Sie brachte den gesamten Saal mit „Rapper´s Delight“ zum Grooven und Mitklatschen. Und endlich: Die Musik-App zeigt Liedtexte an!

Apple Music hat inzwischen 15 Millionen zahlende Abonnenten. Leider ist die App unübersichtlich, was mit der kommenden Version anders werden soll. Auch News (in Deutschland noch nicht verfügbar) bekommt eine Überarbeitung und die Möglichkeit für Abos und Benachrichtigungen.

Apple Musik

iOS: Mehr Emojis und Effekte

Das Betriebssystem für iPhone und iPad wird zweistellig. Mit iOS 10 kommt im Herbst eine umfassende Überarbeitung, die sich vor allem auf Design und Nutzerführung konzentriert. Apple verbessert den Umgang mit Mitteilungen, Widgets und Apps auf dem Sperrbildschirm sowie in der Mitteilungzentrale.

QuickType und Siri erkennen Zusammenhänge besser. Bei Nachrichten erkennt iOS die empfangenen Texte und schlägt als Antwort passende Mailadressen, Kalendereinträge oder den eigenen Standort vor. Siri erkennt, in welcher Sprache man gerade tippt und wechselt automatisch die Tastatur.

Fotos

Fotos lassen sich wieder nach Aufnahmeorten auf einer Karte darstellen. Die Gesichtserkennung, wie man sie aus iPhoto vom Desktop kannte, kommt auf das iPhone. Und iOS 10 wird auch Objekte- und Orte erkennen. Man kann also nach allen Fotos mit Fahrrad oder im Wald suchen. Außerdem erstellt iOS thematische Sammlungen von Aufnahmen unter Rubriken wie Ausflüge, Familie, Urlaub oder Wandern. Bei diesen „Memories“ kombiniert iOS Videos, Fotos und Karten zu einem Album. Damit kommt die Foto-App auf dem iPhone endlich auf den Stand von Google Fotos auf Android-Geräten

iOS 10 auf dem iPhone und iPad

Karten

Die Landkarten bekomme ein neues Design. Sie werden proaktiver und liefern Vorschläge abhängig von Tageszeit und Ort. Karten kennt die aktuelle Verkehrslage und errechnet bei Staus alternative Routen. Die Karten-App wird für Entwickler geöffnet. So lässt sich beispielsweise eine Fahrt mit Uber zu einem gefundenen Restaurant buchen und direkt mit Apple Pay bezahlen. Auch Siri wird für Entwickler geöffnet.

Home Kit

Die Smart Home-Plattform Home Kit wird um neue Funktionen bzw. Geräte erweitert. Mit der App Home lassen sich Geräte unterschiedlicher Hersteller zentral auf iPhone und iPad steuern. Vom Licht über Heizung bis zur Türkamera. Es lassen sich auch Szenarien programmieren, so Craig Federighi. Beispielsweise „ins Bett gehen“ schließt die Rolläden, schaltet Licht und Fernseher aus und dreht die Heizung runter. Ein festgelegter Radius um das Zuhause (Geofence) erkennt das heimkommende iPhone und öffnet automatisch das Garagentor und schaltet die Außenbeleuchtung ein.

Homekit

Telefon

Sprachnachrichten auf der Visual Voicemail werden von Siri direkt in Text umgewandelt und angezeigt. In iOS 10 lassen sich Telefonate, die über VoIP-Apps eintreffen, wie  normale Telefonate annehmen. Das ist praktisch für WhatsApp, Messenger und andere VoIP-Apps. In Unternehmen mit VoIP-Netzwerken können iPhone-Nutzer Telefonate auf die Büronummer mit dem Smartphone annehmen.

Nachrichten

Alles was zu Nachrichten gezeigt wurde, wirkt wie eine zwanghafte Verjüngungskur. Damit sich die etwas reiferen iPhone-Nutzer cool und hip wie WhatsApp- und Snapchat-Nutzer fühlen können, gibt es Emojis, Bubble-Effekte, Geheimtinte und Handschriften. Viel Spielerei für Menschen, die keine ganzen Sätze tippen möchten.

Interessant allerdings ist der Ansatz mit Facebooks Messenger mithalten zu wollen (der soll ja den Browser ersetzen). Federighi zeigt eine Essensbestellung in Nachrichten. Erste eCommerce-Ansätze von Apple in der Messenger-App.

Alle vorgestellten Apps verfügen über eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Federighi betonte bei der WWDC 2016 Präsenation, wie wichtig Apple die Privatsphäre seiner Nutzer nimmt.

MacOS Sierra bekommt Unterstützung von Siri

Aus dem Betriebssystem OS X wird nach 15 Jahren MacOS, damit ist es nicht nur namenstechnisch näher an iOS, auch inhaltlich wachsen die beiden Plattformen enger zusammen. Die neue Version heißt Sierra, benannt nach den Bergen in Kalifornien.

Mit dem Update zieht auch Sprachassistent(in) Siri auf dem Desktop ein. Beeindruckend war wie man per Sprachassistent gezielt nach Dateien auf dem Macbook suchen kann. In der (Heim-) Büro-Atmosphäre mag man die Sprachfunktion sicher öfter nutzen als in der Öffentlichkeit.

macOS Sierra enthält Siri

Spannend ist auch die Erweiterung der Continuity-Funktionen. Mit Auto Unlock kann man per Apple Watch die Anmeldung am Desktop ersetzen und beschleunigen. Copy & Paste funktioniert dank Universal Clipboard nun zwischen iPhone und Macbook. Eine Textpassage auf dem iPhone markieren und in eine Textdatei auf dem Desktop einfügen. Videos lassen sich als Bild-in-Bild Funktion über den Desktop schieben. Somit bleibt ausreichend Platz für eine andere Anwendung, die man während der Wiedergabe nutzt.

Über den iCloud Drive lässt sich mit Sierra auch der Schreibtisch synchronisieren. Das heißt, man ruft seinen gewohnten Schreibtisch auf einem anderen Computer auf. Die Idee: Auf dem Schreibtisch liegen in der Regel die aktuellsten bzw. meist genutzten Dokumente. Der iCloud Drive soll Macs auch beschleunigen. Dazu werden automatisch ältere Dokumente, Fotos und Mail-Anhänge in die iCloud verschoben. So bleibt ausreichend Platz auf der Festplatte und der Rechner wird nicht (spürbar) langsamer.

 

Das Bezahlsystem Apple Pay kommt in den Browser. Beim Online-Einkauf kann man nun auch mit Apple Pay bezahlen. Zur Legitimation einer Zahlung benötigt man noch das iPhone oder eine Apple Watch. Bislang ist Apple Pay in den USA, Großbritannien, Kanada, Australien, China und Singapur verfügbar. In den kommenden Wochen wird es auch in der Schweiz, Frankreich und Hongkong eingeführt.

Sierra kommt im Herbst, doch ab Juli gibt es eine Public-Beta-Phase.

Speed up – die schnellere Uhr

Watch Os Onefootball
Zwar spielte am Abend der WWDC Belgien gegen Italien bei der EM, doch das Spiel ging 0:2 für Italien aus. Die Amerikaner und Fußball …

Version 3 von watchOS konzentriert sich auf Performance, so Kevin Lynch. Die Anwendungen auf der Uhr starten schneller und laufen flüssiger. Scribble erkennt mit dem Finger geschriebene Buchstaben auf der Uhr und lädt die gesuchte App. Die Übersicht der Aktivitäten wurde überarbeitet. Die Aktivitäts-Ringe lassen sich zur Motivation mit Freunden teilen. Es gibt spezialisierte Einstellungen für Rollstuhlfahrer.

Mit der Breathe-App erinnert die Uhr ihren Träger an regelmäßige Mindfulness-Übungen (Yoga). Einfach zwischen durch mal ganz bewusst tief ein- und ausatmen.

Die Uhr wird zu einem Notruf-Knopf. Den Seitenknopf drücken und der Notruf wird gewählt, danach erhalten die hinterlegten Notfallkontakte eine Nachricht mit dem Standort des Trägers. Die Uhr kennt den jeweiligen Notruf des Aufenthaltsortes (z.B. 999 Hongkong). Ach ja, Minnie kommt neben Mickey Mouse auf das Ziffernblatt.

Apple TV: Single sign-on und Siri-Kategoriesuche

Eddie Cue präsentierte die verbesserte Sprachsuche mit Siri auf der Apple TV Box: „Finde Highschool-Komödien aus den 80ern.“ Siri versteht nun auch Kategorien und kann YouTube nach Stichworten durchsuchen. Für Kanäle mit einer Anmeldung gibt es ein Single sign-on, so dass sich der Nutzer nur einmal in den Einstellungen anmelden muss. Live TuneIn ermöglicht den Sprung direkt in einen Kanal einer TV-Station mit mehreren Programmen auf der Apple TV Box. Inzwischen hat die kleine schwarze Kiste mit tvOS 1300 Video-Kanäle und 6000 Apps.

TVOS Siri WWDC 2016
Eddie Cue sucht Highschool-Filme aus den 80er Jahren via Siri Sprachbefehl auf Apple TV

Die Remote-App für das iPhone wird überarbeitet, um alle Funktionen der Fernbedienung auf das Smartphone zu bringen. Ein dunklerer Darstellungsmodus dimmt das Menü für das abgedunkelte Heimkino.

Programmieren mit Swift Playgroundsswift-playground

 

Mit der iPad-App Swift Playgrounds will Apple mehr Menschen an ihre Open-Source-Programmiersprache Swift heranführen. Die kostenlose App kommt im Herbst mit iOS 10.

1 KOMMENTAR

  1. Und wieder kein MultiUser-Support 🙁 . Ich glaube jetzt nicht mehr daran, dass Apple dies jemals einbauen wird. Ist für mich völlig unverständlich, wieso dies nicht zumindest für die iPads kommt, damit mehrere Familienmitglieder ein iPad mit jeweils eigenen Einstellungen nutzen können.

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