Die Gates à la Bendgate haben ja bereits Tradition. Benannt nach der Watergate-Affäre in der US-Politik Anfang der 1970er Jahre, muss auch jedes Apple-Smartphone ein „Tor“ durchschreiten. Schauen wir mal zurück: Los ging´s mit Antennagate. Beim iPhone 4 brachen angeblich Telefongespräche ab, weil der Nutzer mit seiner Hand einen „Kurzschluss“ in den Antennen verursachte bzw. mit der Hand die Antennen zu stark abschirmte. Erstmals gab es getrennte Antennen für Telefonie und Datenübertragung. Stellte die leitende menschliche Haut einen Kontakt zwischen beiden Antennenteilen her, wurde das Telefonat unterbrochen. Angeblich.

Gummi-Hüllen für alle

Apple war das nicht aufgefallen, da Prototypen außerhalb des Firmengeländes nur in Hüllen getestet wurden. Es sollte ja keiner das neue Design der 4er-Serie vorab sehen. Schließlich und endlich musste Steve Jobs Bumper (Gummi-Schutzrahmen) an alle verteilen (lassen). Ich habe keinen übergezogen, denn bei meinem 4er tratt das Problem nie auf.

Wo geht´s lang?

Das nächste Gate, konnte jeder nachvollziehen: Mit iOS 6 führte Apple eigene Landkarten ein. Doch die waren mit heißer Nadel gestrickt. Fertig war das Maps-Gate. Verzerrte Satellitenbilder, fehlerhafte POI-Einträge und falsche Routenberechnungen sorgten für reichlich Spott. Der iOS-Chef Scott Forstall musste seinen Hut nehmen und Apple gelobte Besserung. Wie gut die ausfiel, kann ich schwer beurteilen, ich nutze bis heute Google Maps auf meinem iPhone. Beim 3D-Flyover-Modus ist Apple – zumindest in Deutschland – noch nicht weit gekommen. Außer München, Berlin und Köln gibt es zwei Jahre nach der Einführung keine weiteren deutschen Städte (korrigiert mich, falls ich etwas übersehen habe).

Kratzer im Lack

Am unaufregendsten war für mich das Scuff-Gate. Einige schwarze iPhone 5 hatten bereits in der Auslieferung Kratzer im Lack. Die Zahl der Betroffenen war wohl übersichtlich. Genau wie jetzt Apple behauptet, es gebe nur neun Personen, die sich über verbogene iPhone 6 Plus beschwert hätten. Das Bendgate nimmt vor allen durch Videos im Internet Fahrt auf. Blogger und Journalisten haben eine klammheimliche Freude an den Gates, denn sie garantieren Aufmerksamkeit und Klicks. Ein Produkt, dass sich mehr als zehn Millionen Mal am Start-Wochenende verkauft, bewegt halt die Massen und nicht nur die iPhone 6 Plus-Besitzer.

Bendgate legt Nerven blank

Dass sich ein iPhone 6 Plus verbiegen lässt, dürfte eigentlich nicht überraschen. Das knapp 16 cm hohe Smartphone hat einen Leichtmetallrahmen und ist gerade mal 7,1 mm dick. Wer genug Kraft aufbringt (ca. 32 kg) wird das schon gebogen bekommen. Natürlich ist das ärgerlich, wenn es versehentlich in der Tasche passiert. Aber es kann eben passieren. Mein „kleines“ iPhone 6 ist nach etlichen Stunden in der Hosentasche – auch beim Radfahren – noch immer gerade.

Das Fass zum Überlaufen brachte das unten gezeigte Computerbild-Video – zumindest in Deutschland. Auf den Biegetest von Chefredakteur Axel Telzerow reagierte Apple mit einem beleidigten Anruf. Dem Volontär wurde mitgeteilt, dass die Redaktion zukünftig weder Testgeräte erhalte, noch zu Apple-Events eingeladen werde. Man wundert sich: Sollte ein Apple-Pressesprecher nicht souveräner gegenüber der Presse reagieren? Ja, sollte er, aber Apple Deutschland hat keinen Pressesprecher mehr. Georg Albrecht, ist laut seinem LinkedIn-Profil seit September 2012 nicht mehr bei Apple. Das Unternehmen suchte im Frühjahr 2013 zwar per Online-Anzeige nach einem Nachfolger, doch bis heute ist meines Wissens nach der Posten noch immer nicht besetzt. Kommissarisch wird die Pressearbeit von der Agentur PRfection betreut. Doch in deren Vorgehen ist wenig „Linie“ zu erkennen. Als Technik-Autor erhalte ich mal Einladungen und Testgeräte und manchmal eben nicht. Drauf verlassen kann ich mich nicht.

Genau von dieser Agentur erhielt die Computerbild-Redaktion einen Anruf und spielte darin im Namen von Apple die beleidigte Leberwurst. Axel Telzerow reagiert mit einem offenen Brief an Tim Cook. So dürfte uns Bendgate noch eine Weile erhalten bleiben, zumindest so lange, bis Tim Cook „Stahlrahmen für Alle“ ankündigt.

1 KOMMENTAR

  1. Steve Jobs hat sich auch nicht zu jedem Furz geäußert. Wenn jemand, der vorher nach einem Gigantophone geschrien hat, dieses in die Gesäßtasche steckt und dann seinen Hintern dadrauf drückt, ist das ganz sicher keiner Reaktion von Apple, sondern den gesunden Menschenverstand eines Nutzers wert, zu wissen das er ein elektronisches Gerät mit tollem Design in Händen hält.

    Apple tut im Gegenteil sehr gut daran, dazu zu schweigen. Viel gravierender sind die Mängel in IOS8 – da kann man durchaus zu dem Schluss gelangen, dass Apple im Gegensatz zu SJ-Zeiten unter TC eine katastrophale Produktpflege betreibt.

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