“Change tends to be revolutionary, not evolutionary.”
Larry Page, Google-Gründer

Ich stelle mir das wie bei „Pinky und der Brain“ vor. In der Cartoon-Serie arbeiten zwei Laborratten an Plänen zur Übernahme der Weltherrschaft. In der Google-Zentrale in Mountainview mag es anders zu gehen, aber langfristig dürfte das Ziel ungefähr so lauten. Die Forschungslabore von Google X würden als Vorlage für die TV-Serie sicherlich durchgehen. Der Chef, Astro Teller (eigentlich Eric Teller), hat als Funktion „Captain of Moonshots“ auf seiner Visitenkarte stehen. Also zu Deutsch Kapitän der Mondflüge – hier brütet man über den ganz großen Plänen. Da kann es bis zur Weltherrschaft nicht weit sein. Der einzige Unterschied zur Comicserie: Google könnte es tatsächlich gelingen. Schließlich bereiten die beiden weltgrößten Suchmaschinen (Google Suche und YouTube) für die ehrgeizigen Zukunftspläne des Konzerns eine solide finanzielle Basis. Das Rennen im Bereich Suchmaschinen dürfte zugunsten von Google gelaufen sein. Jetzt entscheidet sich, ob der US-Konzern schon bald unseren kompletten Alltag bestimmen wird.

335 Beteiligungen an 237 Unternehmen

Stand: 2. April 2015

Wirtschaftlich ist es nachvollziehbar, sich breiter aufzustellen. Google erzeilt fast ausschließlich Werbeeinnahmen. Von den 66 Milliarden Dollar Umsatz in 2014 kamen 89 Prozent aus Werbeformaten. Doch Googles Gründer dürfte etwas anderes antreiben. Larry Pages schreibt dazu in seinem Brief an die Investoren: “It’s also true that over time many companies get comfortable doing what they have always done, with a few incremental changes.  This kind of incrementalism leads to irrelevance over time, especially in technology, because change tends to be revolutionary, not evolutionary.  It’s why we continue to invest for the long term, in our next generation of big bets.” Neben kompletten Firmenübernahmen (z.B. Nest)  beteiligt sich Google an einer Vielzahl von Unternehmen, um in andere Wirtschaftsbereiche vorzudringen. Google Ventures, die Risikokapital-Tochter, hält derzeit 335 Beteiligungen an rund 237 Unternehmen. Da ist viel technisches Zeugs dabei, von Datenanalyse bis Webtechnologie, doch Google besetzt vor allem strategisch wichtige Zukunftsfelder: Medizin, Gentechnik, Verkehr, Logistik, technische Infrastruktur und Energie.

Reichlich unter Strom

Im Google-Rechenzentrum in Douglas County in Georgia haben sogar die Kühlwasserrohre die Farben des Konzernlogos (c) Google
Im Rechenzentrum in Douglas County in Georgia haben sogar die Kühlwasserrohre die Konzern-Farben (c) Google

Klar, Energie ist für Google mit seinen 13 Rechenzentren rund um den Globus heute schon ein wichtiges Thema. Um sich von schwankenden Energiepreisen unabhängig zu machen, investiert Google in erneuerbare Energien in Form von Windenergie, Photovoltaik und Solarthermie-Anlagen. Auch vor unserer Haustür: In Brandenburg an der Havel steht eine Solaranlage, die 18,65 Megawatt Spitzenleistung (MWp) aus Sonnenlicht erzeugen kann. Hieran ist Google mit 3,5 Millionen Euro beteiligt. Genau wie am weltgrößten Solarthermie-Kraftwerk Ivanpah in der Mojavewüst. 347.000 Spiegel reflektieren das Sonnenlicht auf drei 140 Meter hohe Türme, in denen Wasser erhitzt wird. Der entstehende Wasserdampf treibt Turbinen an, die Strom erzeugen. Die Anlage erzeugt eine Nennleistung von 392 Megawatt und kann 140.000 Haushalte mit Strom versorgen. Sämtliche Windparks und Solaranlagen mit Google-Beteiligung erreichen bereits eine Kapazität von zwei Gigawatt.


Doch für einen Captain of Moonshots ist Energie aus Solarzellen und Windkrafträdern ein alter Hut. Darum übernahm Google das US-Unternehmen Makani bereits im Experimentierstadium. Höhenwindenergie heißt auf Deutsch das, was die Drachenbauer da machen. Auf leichte Flugdrachen montieren die Ingenieure Rotoren, die sich im Wind drehen und so Strom erzeugen, der über Kabel zum Boden geleitet wird. Die Drachen schweben in über 300 Metern über der Erde. Der Vorteil gegenüber klassischen Windrädern: Deutlich weniger Beton und Stahl wird benötigt. Das ist günstiger und schont die Umwelt. Die Technologie ist überall einsetzbar, auch in Krisenregionen, wo Diesel für Strom-Generatoren fehlt. Doch der Hauptgrund für diese Entwicklung: Der Wind weht weiter oben kräftiger und vor allem konstanter. Die Energieausbeute mit den Drachen ist im Vergleich zu Windkrafträdern höher.

Googles Beteiligung am Solarpark Brandenburg (Havel)
Google ist am Solarpark Brandenburg (Havel) GmbH beteiligt

Auf dem Weg ins Weltall

Noch höher fliegen die Ballons des Google X-Projekts Loon. Sie schweben in der Stratosphäre, also ca. 20 Kilometer über dem Boden. Von hier oben versorgt ein Ballon einen Radius von bis zu 40 Kilometern mit schnellem Internetanschluss. Solarpanels erzeugen Energie für Steuerung und Sendetechnik der Ballons. Der Wind treibt sie stets weiter, meist von West nach Ost. Antennen am Boden steuern die Datenübergabe zum nachfolgenden Ballon. Es sind so viele Ballons am Himmel, das große Regionen durchgehend mit LTE-Speed angebunden sind. Laut Astro Teller stehe man in Verhandlungen mit Telekommunikations-Unternehmen, wie man Loon-Ballons in deren Netzwerke einbinden können.

Aber in der Stratosphäre ist weder für Teller noch für Google Schluss. Elon Musk, CEO von Space X, hat den Mars als Ziel ausgerufen. Da will Google natürlich dabei sein und beteiligte sich Anfang 2015 zusammen mit Fidelity an dem Raumfahrtunternehmen Space X. Für eine Milliarde Dollar bekommen die beiden Investoren knapp zehn Prozent der Firmenanteile. Das Unternehmen aus L.A. schießt bereits erfolgreich Trägerraketen mit Raumkapseln ins All, um die Internationale Space Station mit Nachschub zu versorgen. Für 2018/19 hat Space X den Auftrag der Bundeswehr, Satelliten ins All zu transportieren und auszusetzen. Musk und seine 3.000 Angestellten arbeiten an wiederverwendbaren Raketen, um so den Preis für den Transport in den Weltraum zu senken. Elon Musk möchte zu seinen Lebzeiten noch sehen, wie ein Mensch den Mars betritt. Der gebürtige Südafrikaner ist übrigens auch CEO von Tesla, dem Elektroauto-Pioneer aus Kalifornien. Die neuesten Modelle der Limousine fahren bereits komplett eigenständig, ohne Eingreifen des Fahrers – zumindest auf Highways. Selbstfahrende Autos ist auch für Google ein wichtiges Forschungsgebiet.

Mehr zu Googles Plänen für selbstfahrende Autos, Logistik, Infrastruktur, Smart Home und dem ewigen Leben lesen Sie in Teil 2.

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