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Selbstfahrende Autos: Mobilität als Service

Google arbeitet an selbstfahrenden Autos, damit die Menschen ihre Augen nicht auf den Verkehr sondern auf einen Bildschirm mit Google-Diensten richten können. Das ist eine Deutung. Doch machen wir einen Schritt zurück: Das Dilemma mit der erneuerbaren Energie ist, man weiß nie ob der Wind ausreichend stark bläst und die Sonne intensiv genug scheint, wenn der Strom benötigt wird. Strom zu speichern ist nach wie vor eine große Herausforderung. Mal angenommen, eines Tages rollen tausende selbstfahrende Elektroautos über die Straßen unserer Metropolen, dann könnte Google deren Batterien als Speicher nutzen. (Vielleicht stehen bis dahin auch Batterien in den heimischen Kellern.)

Weiter angenommen, die selbstfahrenden Autos machen sich aus einem zentralen Depot auf den Weg zum Kunden, könnte man dem noch seine im Internet bestellten Waren in den Kofferraum legen. „Mobilität als Service“ lautet der Paradigmen-Wechsel. Die Menschen in Ballungsräumen werden eines Tages keine Autos mehr besitzen, sondern sich einen Wagen bestellen, wenn Sie von A nach B möchten.

Der Konzern hat das selbstfahrende Auto bereits vorgestellt und will noch in diesem Jahr 150 Fahrzeuge auf kalifornischen Straßen testen. Bis zur Marktreife könnten noch fünf Jahre vergehen. Bis dahin stärkt Google seine Beteiligung an Uber. Der Fahrdienst wird zwar stark kritisiert. Es hagelt in einigen Städten auch richterliche Verbote, weil Uber Pop mit unfairen Mitteln den regulierten Taxi-Markt unterläuft. Doch das ist nur ein Aspekt von Uber, neben dem Jedermann-Taxi bietet das Unternehmen auch Chauffeur-Servic mit großen Limousinen und bequemen SUV. Man soll sich an den Gedanken gewöhnen, gefahren zu werden – Mobilität als Service. Uber ist ein Zwischenschritt für Google. Anders lässt sich die Bewertung des US-Unternehmens nicht erklären. Von 41 Milliarden Dollar Marktwert ist die Rede, 5,9 Milliarden Dollar Risikokapital hat Gründer Travis Kalanick bei Google und rund 40 weiteren Investoren eingesammelt. Diese Investoren müssen an eine größere, renditeträchtige Idee glauben. Der klassische Taxi-Dienst wird es ganz bestimmt nicht sein.

Googles Kernkompetenz ist die Datenverarbeitung und -auswertung. Klar, dass sie sich an Unternehmen beteiligen, die genau dies im Verkehr tun. Urban Engines ist so ein Beispiel. Das Unternehmen wertet Verkehrsdaten aus dem öffentlichen Nahverkehr sowie dem Straßenverkehr aus. Die dazugehörige App gibt Pendlern Tipps wann, wie und auf welcher Strecke sie am schnellsten und bequemsten ans Ziel kommen. Berufspendler sollen so pro Jahr einige hundert Stunden auf ihren Wegen sparen.

Logistik – Von fliegenden Paketen


Lieferungen müssen nicht zwingend auf Rädern zum Kunden kommen. Google testet mit dem Projekt Wings das Ausliefern per Flugdrohne. In ländlichen Regionen, wo ausreichend Platz zum Landen ist und ein Absturz wenig Schaden anrichten würde, könnten Fluggeräte Pakete an die Empfänger liefern.

Doch der Trend ist ein anderer: Immer mehr Menschen leben in Städten, die urbanen Regionen wachsen. Wohnraum ist knapp und teuer. Wer keinen ausreichenden Stauraum hat, kann den Service von BoxBee, einer Google-Beteiligung, nutzen. Der Lieferdienst bringt eingelagerte Dinge in Leihboxen per Lieferwagen zum Kunden und nimmt gefüllte Boxen wieder mit ins Lager, das außerhalb der Stadt liegt.

Schnelles Internet für das smarte Home

Neben Strom und fließend Wasser gehört der schnelle Internetanschluss inzwischen zum Standard einer Wohnung. Mit Google Fiber besitzt der Konzern eine eigene Glasfaser-Infrastruktur. Zunächst wurden nur einige Testhaushalte und Unternehmen in Kansas City mit bis zu 1.000 Mbps ans Internet angebunden. Inzwischen bietet Google den Gigabit-Internetansschluss auch in Provo (Utah) und Austin (Texas) an. Neun weitere US-Städte stehen auf der Expansionsliste von Google Fiber.

Wer die Daten ins Haus liefert, weiß auch, wofür sich die Menschen im Internet interessieren. Was die Menschen innerhalb ihrer Häuser tun bzw. wann sie zuhause sind, weiß Google dank eines anderen Tochterunternehmens: Nest. Das Unternehmen hatte Tony Fadell, der als Erfinder des iPod- und iTunes-Konzepts gilt, nach seinem Weggang von Apple 2010 gegründet. Nest vertreibt intelligente Heizungsthermostate und Rauchmelder. Anfang 2014 übernahm Google für 3,2 Milliarden Dollar das Unternehmen. Tony Fadell erhielt die Verantwortung für Googles Datenbrille. Auch wenn Google Glass für den Massenmarkt zu früh dran war und im Frühjahr 2015 zunächst in der Schublade verschwindet, geht die Entwicklungsarbeit weiter. Ein Problem war die Leistungsfähigkeit der Batterie. Daran arbeitet das Team von Dr. Ramesh Bhardwaj bei Google X. Sie forschen an Festkörper-Dünnschicht-Batterien (Solid State Thim Film Batteries), die eines Tages auch bei Körperimplantaten zum Einsatz kommen sollen. Denn nach der Brille kommt die Kontaktlinse. Die Forscher bei Google X entwickeln eine Kontaktlinse, die die Glucosekonzentration in der Tränenflüssigkeit misst – praktisch für Diabetiker.

Gesundheit: Ewiges Leben

Medizin ist ein wesentlicher Bereich in der Google-Strategie. Das Ziel lässt sich einfach zusammenfassen: Den Tod besiegen. Bereits 2013 gründete Google Calico, die California Life Company. An der Spitze des Unternehmens steht Arthur Levinson, Mitglied im Aufsichtsrat von Apple aber vor allem ehemaliger CEO des Biotechnologie-Unternehmens Genentech. Im Herbst 2014 vereinbarten Calico und der Pharmakonzern AbbVie eine umfangreiche Kooperation. Beide Unternehmen investieren bis zu 500 Millionen US-Dollar in die Erforschung altersbedingter Erkrankungen und die Verlangsamung des Alterungsprozesses.

Pilles Tricoder aus Star Trek

Das werden Star Trek-Fans lieben: Pille, der Bordarzt, streift mit seinem Tricoder über den Arm eines Patienten und weiß, woran dieser leidet. So ungefähr kann man das Projekt von Andrew Conrad zusammenfassen. Er leitet die Abteilung Life Science bei Google X. Laienhaft ausgedrückt arbeiten die Forscher an Nanopartikeln, die sich an menschlichen Zellen, beispielsweise Krebszellen, andocken. Außerhalb des Körpers löst ein Gerät, beispielsweise einem Armband, Alarm aus, wenn die Nanopartikel Krebszellen gefunden haben.

Genanalyse ist für Google schon ein „alter Hut“. Bereits 2006 gründet Anne Wojcicki das Unternehmen 23andMe. Für 99 Dollar gibt es für jedermann eine Auswertung der eigenen Gene. An dem Unternehmen hält Google eine Beteiligung. Auch privat ist die Biologin Wojcicki mit Google verbunden. Sie heiratete 2007 den Google-Gründer Sergey Brin. Die beiden haben zwei Kinder, leben jedoch seit 2013 getrennt. Wojcickis Schwester Susan ist die Chefin von YouTube, Googles Videoportal.

Doch Wunder kann der Medizinbereich – mit oder ohne Google-Beteiligung – auch nicht vollbringen. Seit 2013 leidet Gründer Larry Page an einer selten Lähmung der Stimmbänder. Öffentlich spricht er selten und wenn, wirkt er heiser und kurzatmig. Da die Krankheit kaum erforscht ist, startete Page zunächst eine öffentliche Datensammlung. Diese körperliche Einschränkung hält ihn jedoch nicht davon ab, mit Co-Gründer Sergey Brin das Unternehmen bei den wesentlichen Technologien fit für die Zukunft zu machen. Da wirkt die drohende Monopol-Klage der Europäischen Kommission zu den Suchergebnissen fast wie eine Kleinigkeit. Sollten Googles Pläne und Investionen fruchten, dominiert das Unternehmen schon bald sämtliche Schlüsselindustrien. Insofern ist es bei Google doch nicht wie in der Cartoon-Serie „Pinky und der Brain„. Während Brain in jeder Folge furios scheitert und wieder eingesperrt wird, ist Google auf dem besten Weg, die wirtschaftliche Weltherrschaft zu übernehmen.

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