Mit Magenta Zuhause Hybrid bietet die Telekom ihr erstes Kombinationsprodukt aus Mobilfunk und Festnetz an. Gedacht ist es für Menschen in ländlichen Gebieten, die per DSL nur unzureichende Bandbreiten beim Internetzugang erreichen. Aber selbst wer gut angebunden ist und 25 oder 50 Mbit/s im Download erhält, kann mit dem Hybrid-Produkt noch etwas drauflegen. Und das Beste: Die Datennutzung per LTE ist nicht wie beim Mobilfunkvertrag begrenzt.

Mit der Funktechnik LTE (Long Term Evolution) erzielt die Telekom bereits heute eine 65 prozentige Abdeckung, erreicht somit theoretisch rund 26 Millionen Haushalte in Deutschland. Und deren Datenhunger nimmt immer weiter zu. „Das durchschnittliche Datenvolumen liegt pro DSL-Kunde bei 26,7 Gigabyte pro Monat„, sagt Vanessa Böhm, Commercial Managerin bei der Telekom für Magenta Zuhause. Kein Wunder, immer mehr Dienste nutzen den Internetanschluss: Smart Home, Audio- und Video-Streaming, App-Nutzung per Smartphone und Tablet.

Hybrid wird in drei Paketen angeboten mit 16, 50 und 100 Mbit/s Download-Geschwindigkeit. Das ist jeweils die garantierte Leistung über den DSL-Anschluss. Dann kommt nochmal die gleiche Bandbreite per Mobilfunk hinzu. Im Idealfall hat man also 32, 100 oder 200 Mbit/s im Download. Und das zu monatlichen Preisen von 29,95 €, 34,95 € oder 39,95 € im ersten Jahr. Ein weiterer Vorteil: das Datenvolumen per LTE-Verbindung ist nicht begrenzt.

Hybrid-Internetanschluss der Telekom

Äußerlich sieht der Speedport Hybrid-Router nicht viel anders aus. Doch verfügt er über einen Prozessor, der entscheidet, welchen Weg die Daten nehmen. Die DSL-Leitung hat immer Priorität. Wenn diese Bandbreite nicht ausreicht, wird parallel die LTE-Verbindung im Mobilfunknetz genutzt. So lässt sich die gebuchte Bandbreite verdoppeln.

Die Telekom hat den Router zusammen mit dem chinesischen Hersteller Huawei entwickelt. Der Kunde kauft den Hybrid Router für 399,99 Euro oder mietet ihn für 9,95 Euro pro Monat. Mit dem Router erhält man eine SIM-Karte für die LTE-Nutzung. Die Mobilfunk-Karte lässt sich in keinem anderen Gerät nutzen. Außerdem ist ein Geofencing eingerichtet, sie funktioniert also nur an dem im Vertrag angegeben Ort.

SIM Karte im Hybrid-Router der Telekom

Der Hybrid Router verfügt über deutlich größere LTE-Antennen als beispielsweise ein iPhone, somit ist der Daten-Empfang auch stabiler. Das Gerät sollte in der Wohnung so platziert werden, dass die LTE-Balkenanzeige voll ausschlägt. „Man muss ein wenig wie mit der Wünschelrute durch die Wohnung gehen, um den idealen Platz zu finden„, sagt Vanessa Böhm. Aber selbst bei nur einem Balken kommen rund 80 Prozent der möglichen LTE-Bandbreite im Router an. Das bedeutet im Umkehrschluss: Eventuell muss der Kunde seine Telefonanschlussdose (TAE) verlegen oder um ein sehr langes Kabel erweitern.

Keine Fernsehnutzung bei Hybrid

Mit dem Hybrid Router ist noch kein Entertain, also Fernsehen möglich. Das soll 2016 nachgerüstet werden. Aber auch dann wird das TV-Streaming ausschließlich über die DSL-Leitung erfolgen. Die Telekom will sich das mobile Datennetz nicht mit Spielfilmen und Serien „dicht“ machen. Sollte der DSL-Anschluss mal aufgrund des berühmten Baggers ausfallen, hat man immer noch die LTE-Verbindung. Fällt allerdings die Stromversorgung aus, ist auch der Router lahmgelegt.

Alles im Netz spricht IP

Eine Voraussetzung für die Nutzung des Hybrid-Anschluss ist neben ausreichend LTE-Empfang auch ein IP-Anschluss der Telekom. Die Deutsche Telekom stellt ihr gesamtes Netzwerk auf IP, also das Internet Protocol um. Sprache, Steuersignale für den Aufbau einer Telefonverbindung, Spielfilme von Streaming-Anbietern oder Daten aus dem Internet werden als digitale Datenpakete verpackt und über eine (Glasfaser-)Leitung verschickt. Früher benötigte ein Telefonat einen kompletten Kanal (Frequenz) im Kupferkabel. Jetzt können zeitgleich hunderte Datenpaket übertragen werden. Einziger Flaschenhals: Die letzten Meter vom Verteilerkasten in den Haushalt erfolgt über Kupferkabel.

Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben. Hier soll eine Technik namens Vectoring für den Turbo sorgen. Doch das funktioniert nur, wenn alle Anschlüsse auf IP-Technik umgestellt sind. „Bis 2018 werden wir alle Anschlüsse in Deutschland auf die IP-Technologie umgerüstet haben„, sagt Sven Grümer, Projektkoordinator IP-Migration bei der Telekom. Aktuell werden rund 60.000 Wechsel pro Woche vollzogen.

Vorteile der IP-Technologie

Mit der Umstellung auf IP-Technologie in einem Glasfasernetz sind Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 550 Mbit/s möglich. Immer weitere Dienste und Anwendungen beschleunigen den Bedarf an Tempo und Datenvolumen. Beispiel iPhone: Die Telekom bietet etliche Apps für ein digitales Zuhause. Dazu zählt der Programm Manager. Die App bringt Videorekorder-Funktionen von Entertain auf das Smartphone. Die SprachBox Pro, die Anrufbeantworter-App für den Heimanschluss ermöglicht das Abhören von Nachrichten, wenn man noch unterwegs ist. Und die Home Talk-App macht das iPhone zuhause zum Festnetztelefon. Man muss das DECT-Telefon nicht mehr suchen (ist eh meist die Batterie leer) und hat sowieso alle aktuellen Rufnummern nur im iPhone gespeichert. Außerdem werden durch Apps erst etliche Smart-Home-Anwendungen zur Steuerung von Heizung, Licht und anderen Dingen möglich. Die Einrichtung des Routers an einem IP-Anschluss wird zudem einfacher, da Splitter und NTBA entfallen. Der Speedport wird mit der TAE-Telefondose verbunden. Die restliche Einrichtung erfolgt über ein Browser-Menü.

Nutzung IP Anschluss Telekom

Nomadische Telefon-Nutzung

Mit einem IP-Anschluss wir auch eine „nomadische Nutzung“ der eigenen Telefonnummer möglich. Der Begriff ist schnell erklärt: Man kann seine Hamburger Rufnummer auch in München nutzen. Wer also bei Freunden zu Besuch ist oder eine Ferienwohnung hat, kann über den dortigen Internetanschluss seine Telefon-Zugangsdaten in einen PC-Client bzw. eine App eintragen und ist dann in der fremden Stadt unter der gewohnten Festnetznummer erreichbar – ohne Einrichtung einer Weiterleitung. Auch kann man über die Internetverbindung Gespräche führen. Praktisch ist diese Nutzung im Ausland, hat man dort einen Internetzugang, kann man dennoch seine deutsche Rufnummer nutzen und günstig telefonieren.

Oma Erna hat nichts zu fürchten

Bei der Netzumstellung auf die IP-Technologie hat die alleinlebende Seniorin nichts zu befürchten, so die Telekom. Wer bei einem reinen Sprachanschluss bleibt, muss weder am Vertrag noch an der Hardware etwas ändern. „Die Umstellung erfolgt bei uns im Netz„, sagt Karsten Lebahn, Leiter IP Transformation. Betroffen sind davon schätzungsweise vier Millionen Kunden in Deutschland. Ihre Anschlüsse werden nach und nach umgestellt, das geschieht in einem Zeitfenster zwischen 20 und 23 Uhr, in der das Telefon für wenige Minuten nicht erreichbar ist. Danach kann auch weiter mit dem bisherigen Telefon am digitalen Anschluss telefoniert werden. „Wir haben Wählscheibentelefone bis zurück zum Baujahr 1948 getestet und sie funktionierten„, sagt Lebahn.

Deutsche Telekom IP-Netz

Offenlegung: Ich war Anfang Mai Teilnehmer eines Telekom-Workshops mit dem Titel „Das Netz der Zukunft spricht IP“

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