Adam Lashinsky blickt für das amerikanische Magazin Fortune hinter den Apple-Vorhang. Sein Artikel erscheint am 23. Mai 2011 in der gedruckten Ausgabe und ist bereits jetzt in der iPad-Version zu haben (3, 99 Euro).

Eine interessantes Stück für Apple-Interessierte, doch spürt man deutlich, wie schwierig es für den Autor war, (ehemalige) Beschäftige zum Reden zu bewegen. Apples Geheimniskrämerei ist nicht umsonst so erfolgreich – der Schweigekodex wird eingehalten. Zudem ist der Kreis derer, die regelmäßig Kontakt zu Steve Jobs haben und Firmengeheimnisse kennen, überschaubar.

Das Unternehmen hält sich nicht lange mit Prototypen und Marktforschung auf. Wenn man in Cupertino an ein Produkte glaubt, wird es realisiert. Dabei gilt es, Fehler schnell zu korrigieren bzw. die Marschrichtung zu ändern. Die beeindruckenste und erfolgreichste Kurskorrektur dürfte die Öffnung des Werkzeugkastens für App-Entwickler (SDK) sein, so dass weltweit jeder eine App für iPhone, iPod und iPad programmieren kann.

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Auf der anderen Seite gehen auch bei Apple Dinge mal schief und dann gibt es einen “Einlauf” vom Chef persönlich. Im Sommer 2008 musste das gesamte MobileMe-Team in der Town Hall, dem Auditorium, wo sonst Produkte der Presse vorgestellt werden, antreten. Der Datendienst hatte einen schweren Start. Das Produkt war unausgereift, es gab Kundenbeschwerden, die Presse schrieb schlecht, sogar Walt Mossberg vom Wall Street Journal, der als sehr Apple-freundlich gilt, schrieb negativ über MobileMe. Jobs warf dem Team vor, sie hätten Apples guten Ruf beschädigt. Die führenden Köpfe wurden ersetzt und das Produkt überarbeitet.

Trotz der knapp 50.000 Angestellten wird Apple wie ein Start-up geführt. Kleine Arbeitsgruppen, knappe Budgets und Abgabefristen sowie direkte Verantwortung. Für jedes Projekt, für jedes Produkt gibt es einen so genannten DRI (Directly Responsible Individual), also eine Person, die den Kopf hinhalten muss, wenn etwas nicht klappt. Lashinsky berichtet auch von der Ansprache, die jeder neue Vice President (VP) zu hören bekommt. Ein Hausmeister darf Gründe vorbringen, warum etwas nicht läuft. Ab dem Level VP zählen Gründe nicht mehr. Man ist für das komplette Team und seine Leistung verantwortlich.

Apple-Boss Steve Jobs umgibt sie nur mit einem kleinen Kreis Mitarbeiter. Mit ihnen sitzt er jeden Montag zusammen und spricht die wichtigsten Produktideen durch. Jeden Mitwoch trifft er sich mit den Leitern der Marketing- und Kommunikationsabteilung. Der Artikel enthält eine Grafik mit Manageern der dritten Reihe. Die meisten Namen hat man noch nicht gehört. Doch hinter dem Vorstand und den Senior Vice Presidents, stehen rund 30 Vice Presidents.

Höchstes Ziel für einen Apple-Mitarbeiter ist die Zugehörigkeit zu den Top 100. Das sind nicht die 100 ranghöchsten, sondern die – aus Jobs Sicht – wichtigsten Mitarbeiter. Leute, mit denen er ein neues Unternehmen aufbauen würde, wenn er neu anfangen müsste. Dieser erlesene Kreis fährt einmal im Jahr zu einem dreitägigen Workshop. Niemand weiß vorher, wer eingeladen wird und wohin es geht. Das Ziel sucht Jobs aus und es gibt zwei Kriterien: Gutes Essen, keine Golf-Plätze in der Nähe.

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