Jetzt aber mit Gewalt. Wer auf dem iPad in Safari die Adresse m.bild.de aufruft, wird zu BildgehtApp.Bild.de umgeleitet. Es bleibt nur noch der Weg in den AppStore. Wer die großen Schlagzeilen lesen will, muss für 79 Cent die App Bild HD kaufen. Nach der Einführungswoche wird dieser Preis jeden Tag fällig oder man schließt eine Abo ab. Die Sperre für den Safari-Browser hatte der Springer Verlag bereits vor einem Jahr bei der Einführung der iPhone-App in Erwägung gezogen, dann aber doch fallen lassen. Nach wie vor, kann man auf dem iPhone unter m.bild.de Inhalte lesen.

Springer-Chef Mathias Döpfner setzt also die Brechstange zum Paid-Content-Erfolg an. Er vermeldete vor wenigen Tagen stolze 405.000 Verkäufe innerhalb der Bild-iPhone-App. „Die aktuellen Zwischenergebnisse sind äußerst ermutigend. Noch ist es zu früh für eine abschließende Bewertung, ob und wie sich die Zahlungsbereitschaft für journalistische Angebote in der digitalen Welt langfristig entwickelt. Natürlich sind die Umsätze verglichen mit dem Printgeschäft derzeit noch vergleichsweise niedrig, ein erfolgreicher Anfang ist jedoch gemacht“, sagte Döpfner beim Gespräch mit Journalisten in Berlin. Die rote Bildgruppe ist im Web erstaunlich erfolgreich, laut Auflagen-TÜV IVW mit knapp 158 Millionen Visits im November 2010 auf Platz 6 aller gemeldeten Angebote.

Mir bleibt dieser Erfolg ein Rätsel. Natürlich schaue ich mehrfach pro Woche auf die reißerischen Schlagzeilen, doch bei jedem Besuch der Seite ärgere ich mich auf´s Neue. Die Bild-Webseite ist eine der unübersichtlichsten und unstrukturiertesten Inhaltsseiten, die ich kenne. Vor lauter Werbung, Links, Videos und Hinweisen zu weiteren Geschichten, muss man den eigentlichen Inhalt förmlich suchen.

Um zu veranschaulichen, was ich meine, habe ich mal bei einer Meldung auf der Webseite alles, was Werbung ist, gelb markiert und alle Hinweise zu weiteren Bild-Angeboten und –themen rot markiert. Was übrig bleibt, ist die eigentliche – auf der Startseite groß angekündigte – Nachricht.

Man kann ja schon froh sein, wenn man einen Text ungestört lesen kann, meist blended sich noch Werbung über die Inhalte (siehe Diashow). Hier wird dem Leser viel Geduld abverlangt. Das ist übrigens beim iPhone nicht anders. Die Webseite schob sich neulich in Safari nach unten und ich musste mir Werbung für die Wii-Fitness anschauen. Aber auch die Werbung für hauseigene und Volks-Produkte sind massiv. Manchmal hat man den Eindruck, bei einem rot eingefärbten Tchibo gelandet zu sein. Da schreien Volks-Telefon, Volks-Matratze und Vettels Gewinner-Mütze: KAUF MICH!.

In der iPad-App bewegt sich die Werbung natürlich auch. Derzeit flitzt ein VW Passat über die Seiten. Beim App-Start hat man die Wahl zwischen einer iPad- und einer PDF-Ausgabe. Warum sollte ich die starre PDF-Variante wählen? Die fand ich schon auf dem iPhone unpraktisch. Bei den großen Überschriften und dem kleinen Bildschirm war man nur am pinchen und zoomen. Das nackig-schüttel-Mädchen fehlt in der iPad-Variante. Dafür werden die Brustwarzen der Mädels nicht mehr geblitzdingst (siehe oben). Was Herr Jobs wohl dazu sagt?

Ansonsten ist auch die iPad-Variante ein relativ starres Abbild der gedruckten Zeitung. Man blättert zur Seite, um zum nächsten Artikel zu kommen. Ist man in einem Artikel drin, kommt man nicht weiter. Man muss die Seite erst wieder über das X schließen.

Animation wird als Spiel- nicht als Informationsmittel eingesetzt. Da kleckst Honig von einem Löffel oder es senkt sich die verspiegelte Autofensterscheibe, hinter der Julian Assange (Wikileaks) zum Vorschein kommt. Um mir aber zu erklären, was mit Samuels Kochs (Autospringer bei Wetten dass…) Halswirbel passiert ist bzw. wie eine Lähmung verursacht wird, hätte man das gezeigte Skelett animieren können. Nicht mal die Diashow funktioniert. Hinzu kommen unverschämt lange Ladezeiten, bis alle Seiten auf dem iPad sind. Beim Blättern muss man mitunter mehrere Sekunden auf bereits geladene Seiten warten. Neben den klassischen Rubriken gibt es noch Horoskope, Wettervorhersage, Witze, ein Kreuzworträtsel und das Fernsehprogramm.

Evolution der Zeitung“ nennt Springer seine App. Da muss ich schmunzeln. Die Menüführung und Gestaltung ist genauso unübersichtlich und wirr wie die Webseite. Das Geld geht vermutlich eher ins Marketing als in Nutzer-Tests. Dann aber so richtig. Dittsche und Ingo dürfen in einem siebenminütigen YouTube-Video samt Gastauftritt von Bild-Chef Kai Diekmann (dem Papst-Bibel-Bringer) über die Vorzüge der App fabulieren. Andere Promis werden ebenfalls vor den PR-Karren gespannt. Veronica Ferres und Annette Schavan dürfen sich positiv äußern. FDP-General Christian Lindner sagt: „Tolle Mischung aus Information und Innovation.“

Was hat sich der Mann angeschaut? Die bisherigen Käufer sehen das bei iTunes anders. Im Stimmungsbild überwiegen die Ein-Sterne-Bewertungen deutlich (133 von 198 Bewertungen). Da ist die Rede von „Abzocke“, „ewigen Ladezeiten“, „absoluter Mist“ und „einfach nicht brauchbar“. Bei den wenigen guten Bewertungen scheinen Verlagsangestellte mitzumischen: DonJuan13 gibt der Bild App volle fünf Sterne. Schaut man in sein Profil, hat er bislang nur die Welt- sowie die Bild-iPhone-App bewertet. Wo der Herzensbrecher wohl beruflich tätig ist? Herr Diekmann sind Sie es?

Zur Einführung verlost Bild mit einer Schwachmatenfrage in einem Telefongewinnspiel 100 iPads. Bei den 50 Cent pro Anruf wird der Verlag daran auch noch verdienen. Die Masse macht´s. Eigentlich wollte Mathias Döpfner vergünstigte iPads an den Mann bringen, wenn der auch ein Springer-Abo dazu nimmt. Doch hier hat Apple kurzfristig seine Zustimmung zurückgezogen. Auch bei der Weitergabe von Abonennten-Daten bei In-App-Käufen ist bislang zwischen Apple und Verlagen keine Einigung erzielt. Der Start der Bild-Zeitung auf dem iPad ist holprig und seine Weiterentwicklung ungewiss – bei allem redet Apple rein. Ob Verlagschef Döpfner immer noch Steve Jobs im Nachtgebet für die Erfindung des iPads dankt?

Meine Wertung
Eins von fünf iPhones

Preis: 0,79 Euro, Größe: 13 MB

Abos: Zum Start gibt es eine Woche lang alle Ausgaben für die 0,79 Euro. 30 Tage – 12,99, 3 Monate – 34,99, 1 Jahr – 129,99 Euro

14 KOMMENTARE

  1. Vor allem für die Nutzer ausserhalb Deutschland und/oder die Nutzer die im US-App. Store angemeldet sind. Das Bild App. Kann mann nur im Deutschen App. Store kaufen.

  2. „Mir bleibt dieser Erfolg ein Rätsel. Natürlich schaue ich mehrfach pro Woche auf die reißerischen Schlagzeilen“

    Tja. Dann mal raus mit der Sprache, wir wollen ja das Rätsel lösen. Warum schaut man dort mehrfach pro Woche vorbei?

  3. Gott, ist das ein wirrer Artikel. Gerne hätte ich erfahren, wo nun das Problem ist und was die BILD nun wieder schmutziges treibt, aber ehrlich gesagt vergeht mir nach zwei Absätzen die Lust. Wirre Zusammenhangskonstruktionen, keine fehlerbereinigten Sätze, bla.

  4. Also ich Kann da nur zustimmen. Es ist schon echt derbe unverschämt, dass man über die mobile Bild Seite nicht mehr redeaktionelle Inhalte einsehen kann. -.-

  5. „Vor lauter Werbung, Links, Videos und Hinweisen zu weiteren Geschichten, muss man den eigentlichen Inhalt förmlich suchen.“
    Bei der Blödzeitung: „Inhalt“?

  6. „Natürlich schaue ich mehrfach pro Woche auf die reißerischen Schlagzeilen,(…)“
    „(…)und ich musste mir Werbung für die Wii-Fitness anschauen.“

    Warum „natürlich“ und warum „musste“?

    „Um mir aber zu erklären, was mit Samuels Kochs (Autospringer bei Wetten dass…) Halswirbel passiert ist bzw. wie eine Lähmung verursacht wird, hätte man das gezeigte Skelett animieren können.“

    oder man hätte das Gesicht des Autospringers (schönes Wort übrigens). mit Photoshop auf das Skelett setzen können, um den Gänsehautfaktor noch zu erhöhen

    Ich persönlich sehe die Bild-Zeitung als erfolgreiches Satire-Magazin an und verstehe es schlichtweg nicht, dass Menschen von der Bild richtige Informationen erwarten und sich so eine App herunterladen – ganz gleich zu welchem Preis.

  7. Ich bin ja immer wieder erstaunt, wenn ich sehe, wie das Web aussehen könnte. Die Screenshots sind zum totlachen, für jemanden der es nur durch AdBlock sieht 😉

  8. Wen wunderts denn, dass die BILD sich bei sowasmehr Mühe gibt damit Geld zu verdienen als sonst was zu erreichen. Diese Ansammlung von nutzlos verxschwendetem Zeitungspapier, Speicherplatz und wenn wir Pech ahben demnächst auch noch Fernsehsendern, gehört verboten. Ein Verlag dessen einziges Ziel es ist durch Desinformation Geld zu verdienen, die alleinige Informationshoheit zu haben und wenige erkennen die Gefahr die darin steckt.
    Die größte Katastrophe an dem ganzen Ding ist allerdings die Leute die dafür Werbung machen. Zahlt FCB nicht genung, lieber Herr Lahm? Sind die Bezüge eines Politikers wirklich so niedrig, dass man zusätzliche Werbeeinnahmen braucht?
    Dieser Verlag ist doch nur deswegen so mächtig, weil ihnen die Macht auf dem Silbertablett serviert wird. Wenn mal son Plitiker einfach das machen würde was seine Aufgabe ist und nicht dem Springerverlag hinten rein kriecht, dann kann in der BILD soviel Bullshit drin stehen wie will. Wenn sich keiner drum kümmert und mit diesen dahergelaufenen Studiumsabbrechern nicht reden würde hilft ihnen auch ihre Auflage nichts. Dann merkt auch der letzte Trottel, dass die sich die Welt so hinlügen wie sie siue gerne hätten.

  9. Mal ganz ehrlich, wer die BILD unbedingt lesen will/muss der verdient es das er für seine fortschreitende Verdummung 79c zahlen muss.

  10. Das wirklich Dämliche daran ist, dass sich die Website über andere (mobile) Browser fürs iPad immernoch aufrufen lässt. Alternativ wäre da noch der Jailbreak und UserAgentFaker, aber wer will sich schon solche Mühe für ein derartiges Angebot machen!?

    Super Artikel, auch wenn man direkt wütend wird beim Lesen! 😉

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