Vielleicht lag es am gestrigen Feiertag in den südlichen Teilen unseres Landes. Vielleicht aber auch daran, dass es immer wieder Leser am Frühstückstisch aufschreckt. Jedenfalls wartet die Süddeutsche Zeitung heute auf ihrer Titelseite mit der Schlagzeile auf: „Mit dem Handy in die Schlacht. Nato-Soldaten jagen Taliban mit einem iPhone-Programm“. Online wird noch weitergedreht: iWar. Uh, huh. Ist das böse. Jetzt macht das niedliche Smartphone auch noch Krieg. Das ist zwar nicht Fall, aber vielleicht schafft das sprachliche Spiel mit dem Schauder ein wenig mehr Auflage.

Worum geht es: Seit Anfang 2009 gibt es die App Bulletflight (23,99 €), mit der Scharfschützen die Flugbahn von Geschossen berechnen können. Dazu greift die App auf gespeicherte Daten verschiedener Projektile zu. Der Schütze kann dann seine Position bestimmen und die vor Ort herrschenden Bedingungen eingeben, etwa Zielentfernung, Windgeschwindigkeit und -richtung, Höhe und Temperatur. Für die ballistische Berechnung wird, wenn gewünscht, sogar die Erdrotation hineinkalkuliert. Das alles ist nicht neu. Auch nicht als App. iSnipe (4,99 €) kann diesen „Ruhm“ für sich beanspruchen – wenn auch nur für Kleinfeuerwaffen. Allerdings sind sogenannte Kleinwaffen laut dem Kinderhilfswerk UNICEF für 90 Prozent der Kriegstoten verantwortlich – meist Zivilisten.
Apropos Aktualität: Die Rüstungs-Porno-Website Defense Review berichtete bereits vor einem Jahr wohlwollend über die App und testete sie damals auch.  Aber da war das Thema Afghansitan noch nicht so aktuell, oder?

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5 Kommentare

  1. Das find ich ja schon wieder heiß! 🙂
    Ist kompatibles Gewehr im Preis enthalten oder kann ich direkt mit dem iPhone losballern? 😀

  2. Naja, im Krieg wurden doch schon immer Spielekonsolen verwendet (PS3, Xbox) warum nicht dann auch das iPhone… für diejenigen die Zuhause “Krieg” spielen wollen, können sich ja virtuell im Paintball-Stil erschiessen: “Gunman” heißt die App!

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