Unser Verhältnis zu Apple könnte man als Hassliebe charakterisieren“, sagt Mathias Döpfner in einem Interview mit dem manager magazin. Der geneigte Branchenbeobachter reibt sich verwundert die Augen. Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG war bislang als glühender Verehrer des Unternehmens mit dem angebissenen Apfel aufgetreten.

In der US-Talkshow “Charlie Rose” ermutigte er im April 2010 alle Verleger, Steve Jobs im Gebet für das iPad zu danken. Es zeige den Verlagen den Weg in die Zukunft. Heute sagt Döpfner:  “Wir finden die Produkte großartig, aber natürlich sind wir hochgradig unzufrieden darüber, dass Apple uns keinen direkten Zugriff auf die Kundendaten erlaubt oder 30 Prozent vom Umsatz, den unsere Apps erzielen, einbehalten werden. Das finden wir ebenso inakzeptabel wie die Tendenz, auf Inhalte Einfluss zu nehmen.”

Die Aussage erstaunt. Zum einen gilt die 30-Prozent-Regelung seit Einführung des AppStores, ist also nichts Neues oder Ungewöhnliches. Und bei den Abos im AppStore hat sich Apple Anfang Juni auf die Verleger zu bewegt. Stimmt ein Nutzer zu, erhält der Verlag auch die Kundendaten. Auf welche Inhalte Apple Einfluss nimmt, erklärt der Verlagschef in der Vorab-Meldung leider nicht.

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Döpfners Haus hat sich enorm an Apple “herangeschmissen”. Seit 2008 werden alle Arbeitsplätze mit iMacs und MacBooks ausgestattet. Für die Nutzung der iPhones sind sie Referenzkunde. Doch wie dankte Apple dem Verlagshaus sein Engagement? Gar nicht, man warb zu Einführung des iPads auf Plakaten mit Screenshots von Spiegel Online.

Jetzt wedelt Döpfner mit der Google-Fahne, die können auch Tablets. “Sobald andere Anbieter stark genug sind, werden sich die Geschäftsbedingungen ändern, und zwar zum Vorteil der Verlage und Inhalteanbieter“, sagt er im Interview, “Apple hat das DDR-Marketing in genialer Weise reetabliert: Es gilt das Prinzip der Verknappung, wer etwas haben will, muss sich hinten anstellen. Apple biedert sich nicht an, sondern entzieht sich seinen Kunden. Und wirkt dadurch besonders begehrenswert.

Die Worte des Verlagschefs lassen zukünftig ein klare Linie vermuten. Bislang war Ambivalenz eher das Verlagsmotto: Stets den freien Zugang zu Informationen und Pressefreiheit fordern und zeitgleich den Zugang zur Bild-Webseite in Safari auf dem iPad sperren. Apples Provisions-Politik im AppStore kritisieren, aber mit der kostenpflichtigen App Bild TopApps! an Preisschwankungen und redaktionellen Vorstellungen von Apps mitverdienen (Affiliate-Provisionen). Trennung von Redaktion und Kommerz betonen, aber auf der Bild-Webseite einen Live-Ticker zur Eröffnungsveranstaltung der Apple-Entwicklermesse anbieten. An Stelle der Kommunikations-Verantwortlichen von Siemens, Lufthansa und VW würde ich mal bei der Bild-Redaktion nachfragen, ob das auch bei ihnen möglich wäre.

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