Da ist Musik drin: Aldi life heißt das Angebot, das am 24. September 2015 von Aldi Nord und Süd angeboten wird. 34 Millionen Songs, 10.000 Hörbücher und 4.000 Radiosender sind per Streaming mit bis zu 320 kbps über App oder auf dem Desktop abspielbar. Dahinter steckt die Musikplattform Napster. Der Preishammer: Aldi life gibt es für 7,99 Euro pro Monat und damit knapp zwei Euro unter dem Preis, den Napster von seinen Kunden verlangt. Die meisten Streaming-Anbieter liegen bei rund zehn Euro pro Monat. Damit dürfte Napster einen Preiskampf lostreten.

Thorsten Schliesche Napster
Thorsten Schliesche, Napster Deutschland-Chef

Einen derartigen Verdrängungswettbewerb hat Thorsten Schliesche in einem Gespräch mit mir erst für Mitte 2016 vorhergesehen. Nun tritt der Executive Vice President und General Manager von Napster ihn selber los. Bei dem Gespräch im Juli 2015 in Hamburg zählte Schliesche 17 Streaming-Anbieter auf dem deutschen Markt. Der größte ist hierzulande Spotify, gefolgt vom französischen Anbieter Deezer und Napster auf Platz drei. Wo sich Apple Music einsortiert, muss man noch abwarten. Für die meisten Early-Adopter dürfte die kostenlose Testphase am 30. September 2015 enden. Dann wird sich zeigen, wer bereits ist, die zehn Euro pro Monat an Apple zu bezahlen.

Napster als White Label Anbieter

Schliesche rechnet vor, dass Streaming-Anbieter mit einer Bruttomarge von 20 bis 25 Prozent auskommen müssen. „70 bis 75 Prozent geht an die Labels„, so der Napster-Manager. Von dem restlichen Geld müssen Technik, Entwicklung, Server, Vertrieb und Marketing bestritten werden. Von daher überrascht der Schritt, den eigenen Service günstiger bei einem Discounter anzubieten. Doch Napster ist schon länger als Dienstleister unterwegs. Wer für seinen BMW ein Online-Entertainment-Paket beim Autohersteller bucht, bekommt  Audioinhalte von Napster. Das Angebot beinhaltet eine SIM-Karte, die für 12 europäische Länder freigeschaltet ist. Per Mobilfunknetz kommen die Audiodaten (192 kpbs) ins Auto. Das Entertainmentsystem hat einen Speicher (250 GB), auf die Lieder und Hörbücher gepuffert bzw. für eine Offline-Wiedergabe gespeichert werden.

Napster war lange Zeit das Synonym für Musik-Piraterie. Die Musiktauschbörse wurde 1999 von Shawn Fanning, John Fanning und Sean Parker gegründet worden. Es war das Lieblings-Hass-Objekt der Musikindustrie. Heute gehört die Marke zu Rhapsody mit Sitz in Seattle. Viele Künstler beschweren sich, dass die Einnahmen aus Streaming-Angeboten nicht über lousy Pennies hinausgehen. Das sieht Schliesche natürlich anders: „Das muss man langfristig betrachten. Wenn ein Künstler in fünf Jahren vergleicht, wird er bei einem Album mehr mit Streaming verdient haben als mit der CD.“

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Aldi life-App erkennt Musiktitel beim Reinhören

Die entsprechende Aldi life-App bietet noch eine Shazam-Funktion, die Track Match heißt. Das iPhone-Mikrofon „hört“ bei einer Musikwiedergabe zu und sagt dem Nutzer, welcher Song das ist. Den kann er oder sie dann direkt über Aldi life in seine Playlisten übernehmen.

Die Motivation für Aldi ist klar: Mehr Kundschaft für das Mobilfunkangebot Aldi Talk sowie Kunden in den Filialen. Das Musikangebot als auch Prepaid-Mobilfunk-Guthaben gibt es als Bons in den Geschäften. Das Musikangebot wird bei den Telefon-/SMS-Paketen M (9,99 Euro) und L (14,99 Euro) mit dabei sein. Aldi life können Interessenten 30 Tage kostenlos testen. Danach wird eine Bezahlung des Abo-Dienstes auf der Webseite auch per Paypal oder Kreditkarte möglich sein.

2 KOMMENTARE

  1. Ich bin Napster-Kunde seit 2004 oder so. Wurde, so sehr Klischee das jetzt klingt, beim Kauf eines mp3-Players von Napster „gefangen“, weils ein Gratis-Abo dazu gab (guter alter Samsung-Player…). Hatte es aber auch schon benutzt als es noch illegal war, hehe. War spannend damals, die erste runtergeladene mp3 mit Modemhilfe. War glaubich „We will rock you“ von Take5(???). Warte ich google das .. und scheitere. Okay, gibt wohl tausend Cover Versionen davon, aber meine eigene finde ich nimmer. Aber zum Thema.

    Also 9,99 pro Monat war bei Napster ab Tag 1 normal. Bis heute bin ich mit dem Musikdienst zufrieden auch wenn sie dort kurz nach der Übernahme durch rhapsody etwas ins Straucheln geraten sind. Damals gabs plötzlich gefühlt keinen einzigen Song mehr und dann wurde auch noch das ganze Online- / Offline-System verändert. Ursprünglich konnte man bei Napster ja mal DRM-geschützte WMAs downloaden und sie dann jederzeit anhören, die Zeiten sind natürlich vorbei.

    Diuese Zeit des „Strauchelns“ war denke ich ziemlich gefährlich für Napster, weil spotify damals ausgerechnet gerade zu dem Zeitpunkt bekannter wurde und es jeder kostenlos über Facebook nutzen konnte. Ich denke, das machen auch heute noch viele, deswegen ich gerne mal fragen würde: Dass spotifiy „der größte Anbieter“ sei, was GENAU heißt das in diesem Fall? Ist das eine Einordnung nach absoluten Nutzerzahlen oder nach Umsatz / Gewinn? Denn das Problem von spotifiy könnte nach wie vor darin bestehen,d ass es von vielen einfach gratis genutzt wird (obwohl auch sagen muss, dass in meinem Freundeskreis inwzischen einige den spotify-Premium-Account haben).

    Nun denn, nichtsdestotrotz. Ich, der ich bei Napster nach wie vor 9,99 zahle, frage mich jetzt angesichts des Aldi-Angebots: ist das fair? Nur weil ich zu Aldi gegangen bin, kann ich Napster günstiger als langjährige Napster-Nutzer nutzen? Oder gibts bei dem Angebot einen Haken, den man bisher nicht gesehen hat. Ist „Aldi life“ doch nur ein „abgespeckter“ Napster-Dienst? Ich hoffe es! Ansonsten mal bei Napster melden oder bei FB beschwern …

    Zur Theorie „Preiskampf“, die oben genannt wird: So ganz „einzigartig“ ist die Idee, die „Musik sprechen zu lasssen“, offenbar grade nicht. Deezer – denen man zugute halten muss, dass sie echt geile Werbung schalten momentan: http://www.bing.com/videos/search?q=deezer+h%C3%B6r+was+du+h%C3%B6ren+willst&FORM=HDRSC3#view=detail&mid=BA531E6D9C13DB494937BA531E6D9C13DB494937 – wird gerade im Bundle mit Galaxy S6 oder HTC One M9 angeboten. Gesehen bei xxxxxxxxxxxxxxxxx – siehe Bild. Da hat man dann für 35 EUR Mobile-Flat UND Deezer-Flat, was auf den ersten Blick auch nicht schlecht klingt. BTW ist das natürlich diesselbe Strategie, die ja auch bei mir und meinem Samsung-Player damals funktioniert hat (nur dass es bei mir damals noch ein zeitlich begrenztes Probe-Abo war, dass ich dann einfach nicht gekündigt habe) – sozusagen ein trojanisches Flatrate-Ferd. Der (Preis)kampf und der Versuch, über ganz unterschiedliche Kooperationen an neue Kunden zu kommen, wird also von Herrn Schliesche vlt. grade gar nicht erst eröffnet, sondern läuft schon einige Zeit zwischen den drei Großen …

    LG Thorsten (sorry für den vielen Text, aber man lenkt sich einfach zu gern vom Master-Arbeits-Schreiben ab)

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