The DailyGestern präsentierten Rupert Murdochs News Corp. und Apple in New York die Tageszeitung für das iPad. The Daily ist vorerst nur im amerikanischen App-Store zu haben. Einzige Auswirkung für deutsche iTunes-Nutzer: Sie mussten neuen AGBs zustimmen, die In-App-Abos einführen. Damit geht Apple auf die Wünsche der Verlage ein, regelmäßig kostenpflichtige Inhalte über Apps verbreiten zu können.

Ich habe mir die Erstausgabe angeschaut und bin angetan:

Eröffnet wird die erste Ausgabe mit einer opulenten Bildstrecke aus Kairo. Um dann einen Blick auf die Flucht der Mubarak Familie zu werfen. Sohn Gamal Mubarak (47) versteckt sich vermutlich in seinem fünfstöckigen Haus in London-Knightsbridge. Auch Bruder Alla (50) und Mutter Suzanne (72), Spitzname Marie Antoinette,  sollen sich ebenfalls  in London aufhalten, während andere Mitglieder der Ägypter „Elite“ in die Vereinigten Arabischen Emirate geflohen sind. Die Geschichte ist gut aufbereitet, kurz und knackig, von den drei Bildschirmseiten macht nur eine den Text aus. Dennoch spürt man, dass die amerikanische Tageszeitung auf ein weltweites Netzwerk von Reportern zurückgreifen kann.  Insgesamt erschlägt The Daily nicht mit Textmassen, die Berichte haben die richtige Länge für das iPad-Format, immer wieder unterbrochen von Bilderstrecken, beispielsweise von den Schneemassen an der amerikanischen Ostküste.

Auf den ersten Blick wirken die Rubriken und ihre Reihenfolge für eine Tageszeitung merkwürdig:  News, Gossip, Opinion, Arts & Life, Apps & Games, Sports. Aber es mag an der europäischen Sichtweise liegen,  sich daran zu stören, dass Klatsch so weit vorn kommt und auf Wirtschaftsgeschichten zu verzichten. Hinzukommt – und das ist wohl eher typisch amerikanisch – ein umfangreicher Sportteil mit 26 Seiten. Die komplette Ausgabe hat 112 Seiten, inklusive Anzeigen. Die 100-köpfige Redaktion will jeden Tag 100 Seiten liefern. Die App aktualisiert sich immer wieder, morgens mit einer neuen Ausgabe und über den Tag mit Ergänzungen. Das kostet den Leser in den USA 99 Cent pro Woche. In den ersten beiden Wochen ist die App dank eines Sponsors kostenlos.

Man blättert The Daily wie eine gedruckte Zeitung. Dabei hält die nächste Seite stets eine inhaltliche Überraschung bereit. Das macht ja gerade das klassische Zeitunglesen aus. Da kommt dann plötzlich ein Artikel über eine Disco für Hunde in New York. Der große Unterschied: The Daily nutzt geschickt Animation, Hotspots mit zusätzlichen Informationen, Video und Interaktion. Da ist dann plötzlich ein Quiz zum Artikel, dessen Antwort man sofort präsentiert bekommt, ohne eine teure Telefonnummer wählen zu müssen. Manche Texte binden Tweets zum Thema mit ein. Es gibt einen 360-Blick über Venedig, Artikel über Kino und TV arbeiten natürlich mit Video-Clips. Auch die Werbekunden, ob nun Filmstudio Paramount, Fluglinie Virgin Atlantic oder Brausehersteller Pepsi – sie alle arbeiten mit Animationen in ihren Anzeigen, da schaut man glatt noch mal hin.

Was auch in einer digitalen Zeitung nicht fehlen darf: Das Horoskop, der Wetterbericht und Rätsel wie Sudoku und Kreuzworträtsel. Mit einer Rubrik wie Apps & Games geht sie auf ihr Trägermedium sowie eine jüngere Leserschaft ein. Artikel lassen sich per per Mail und zu Facebook sowie Twitter weiterleiten. Kommentare sind möglich, man kann sogar einen gesprochenen Kommentar hinterlassen. Texte, die man später lesen möchte, markiert man mit einer Büroklammer.

Natürlich funktioniert die Zeitung im Hoch- und Querformat. Wer nicht von vorn nach hinten durch die Rubriken blättern mag, hat mit dem Artikel-Karussell einen Einstieg wie man ihn vom Cover-Flow im iPod kennt.  Die obere Navigationsleiste zeigt mit einem weißen Punkt, wo man gerade in der Zeitung ist. Ein Fingertipp darauf öffnet verkleinerte Seitenansichten, Artikel die man noch nicht gelesen hat, sind blau umrandet.

Insgesamt finde ich den Auftakt von The Daily gelungen. Die technischen Spielereien machen Spaß und wirken nicht übertrieben. Ob ich nach der Lektüre das Gefühl hätte, gut für den Tag informiert zu sein – schwer zu sagen nach einer Ausgabe. Ich vermute jedoch, mir würde etwas fehlen. The Daily kommt inhaltlich noch zu stark als Magazin denn als Tageszeitung rüber. Dass die App noch ab und an abstürzt, sei als Kinderkrankheit am Rande notiert.

Nachtrag: Wer kein iPad besitzt oder über kein US-iTunes-Konto verfügt, kann die Daily-Ausgabe hier nachlesen, allerdings ohne Multimedia-Gedöns.

Nachtrag 2: The Daily wurde Mitte Dezember 2012 von der News Corp. mangels Erfolg wieder eingestellt.

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