Stephan Elop, Nokias CEO, leitet seinen Brandbrief mit einem Vergleich ein: Auf einer brennenden Ölplattform steht ein Mann am Rand und muss sich entscheiden, ob er ins eiskalte Nordseewasser springt, um eine Überlebenschance zu haben. Genau in dieser Situation befände sich Nokia.

Der Kanadier sieht das Unternehmen gnadenlos von zwei branchenfremden Anbietern überholt, die erst wenige Jahr im Mobilfunkmarkt aktiv sind. „The first iPhone shipped in 2007, and we still don’t have a product that is close to their experience. Android came on the scene just over 2 years ago, and this week they took our leadership position in smartphone volumes. Unbelievable“, sagt der Ex-Microsoft Manager.

Im Hochpreissegment ($300+) hielt Apple 2008 rund 25 Prozent, 2010 waren es schon 61 Prozent. Google sei mit Android ebenfalls am oberen Ende des Marktes eingestiegen und arbeite sich nun nach unten durch. Gute Smartphones werden bereits für unter 100 Dollar angeboten. „Google has become a gravitational force, drawing much of the industry’s innovation to its core.

Im Niedrigpreissegment bauen chinesische OEM-Hersteller ein Handy mittlerweile schneller, als Nokia-Mitarbeiter benötigen, um eine PowerPoint-Präse hübsch zu machen. In jedem Marktsegement und in jedem Land, brechen den Finnen die Marktanteile weg. Die neue Plattform MeeGo komme nicht in die Hufe, Das Unternehmen solle endlich Symbian über Bord werfen, da es für Entwickler damit zunehmend schwieriger werde, die Kundenwünsche zu erfüllen. Aus dem Kampf um die besten Geräte ist ein Kampf der Ecosysteme geworden, so Elop. Heute gehören neben dem Gerät noch Apps, ein App-Marktplatz, Werbung, Suche, Entwickler, Social Media, ortsabhängige Dienst und eCommerce dazu, um erfolgreich zu sein. Gleichzeitig nehmen die Ratingagenturen derzeit Nokias unter die Lupe. Eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit, würde die Bewegungsfreiheit des börsennotierten Unternehmens weiter einschränken.

Und wer ist Schuld an dem Dilemma? Die eigene Einstellung im Unternehmen, sei falsch und unzeitgemäß. Da müsse ganz schnell etwas passieren. Die knapp 1.300 Worte des Chefs, der noch nicht mal ein halbes Jahr im Unternehmen ist, dürften so manchen bei Nokia schockieren. Aber das war sicherlich beabsichtigt, denn sonst würde ja niemand ins kalte Wasser springen.

Nachtrag: Elop macht Nägel mit Köpfen. Schon bald wird Nokia als Betriebssystem Windows Phone 7 des alten Elop-Arbeitgebers Microsoft übernehmen

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Dirk Kunde ist Journalist und Autor. Den roten Faden seiner Arbeit bildet die Frage: Wie verändert die Digitalisierung unser Leben? Dabei spielt Mobilität durch Smartphones, Tablets und Apps eine entscheidende Rolle.

2 KOMMENTARE

  1. Ich verstehe auch nicht wieso Nokia es nicht schafft einen Schnitt zu machen.
    Microsoft hat es nach Windows Mobile 6 endlich kapiert und mit Windows Phone 7 ihr gesamtes System neuprogrammiert. Von Anfang an.

    Android ist das neue Symbian, MeeGo ist ein Witz wie das WeTab OS und Nokia sitzt da und feiert sein N8 das trotz allem eine Tastatur braucht.

    Die sollten mal aufwachen, Symbian endlich wegwerfen und stattdessen auf Android in allen Bereichen und auf Windows Phone im High-Segment setzen.

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