Meine Ohren glühen noch ein wenig. Ich habe die letzten Wochen zwei On-Ear-Kopfhörer von Philips ausprobiert – auf der Straße, im Büro, im Flieger und in der Bahn. Kopfhörer gibt es viele, das Besondere bei den beiden: einer hat eine aktive Geräuschunterdrückung, der andere nutzt den Lightning-Anschluss, verarbeitet also digitale Musiksignale.

Beide Modelle gehören der gehobenen Kategorie an, was man zum einen am Preis, zum anderen am Namenszusatz Fidelio sieht. Damit kennzeichnet Philips seine Top-Geräte. Dabei stellt Philips gar keine Kopfhörer mehr her. Der niederländische Technik-Konzern setzt komplett auf Wohlfühl- und Gesundheitsprodukte. Geblieben ist nur noch der Name und dahinter steckt jetzt Gibson Innovation (ja, die mit den Gitarren).

Philips Fidelio NC1 mit aktiver Geräuschunterdrückung

Philips Fidelio NC1Psst, Ruhe! Die aktive Geräuschunterdrückung ist für mich der pure Luxus. Ist die eingeschaltet, realisiert man erst mal, wie laut es eigentlich um einen herum ist. Den Schieberegler kann man auch aktivieren, wenn keine Musik läuft. Einfach mal Ruhe genießen. Zwei Außenmikrofone erkennen die Umweltgeräusche und spielen ein „Anti-Geräusch“ in den Kopfhörer – damit wird es ruhiger. Für alle, die in Physik Kreide holen waren: Man stelle sich Geräusche als gezeichnete Schallwelle entlang einer Nulllinie vor. Der Kopfhörer misst die Frequenzen der Schallwellen aus der Umgebung und erzeugt genau die gegenteilige Welle, so dass die Geräusche neutralisiert werden und man nur noch eine Nulllinie hat. So weit die Theorie. In der Praxis klappt das natürlich nicht ganz. Sitzen in der Reihe hinter einem in Bahn oder Flieger Menschen (kleine Kinder), die sich laut unterhalten (kreischen), hört man die natürlich immer noch. Aber das Rauschen der Lüftung und die Fahrgeräusche werden stark minimiert. Man kann sich auf sein Lied, Hörbuch oder Film konzentrieren. Wobei: Die aktive Geräuschunterdrückung erwischt natürlich auch Teile der Musik oder des Films. Die Wiedergabe bleibt nicht gänzlich unbeeinflusst von der Filtertechnik. Außerdem müssen sich die Entwickler für einen Frequenzbereich bei der Geräuschunterdrückung entscheiden. Alles was außerhalb dieses Bereichs liegt, dringt durch. Es ist ein Trade-Off, also die Entscheidung für eine Seite. Aus meiner Sicht haben die Entwickler das gut gelöst und ich möchte die aktive Geräuschunterdrückung nicht mehr missen.

Telefonieren mit dem Kopfhörer

Auch wenn der Hersteller schreibt, die Kombination aus Stoff und weichem Leder minimiere den Druck auf die Ohren als auch die Hitzebildung, waren meine Ohren nach einem 90 Minuten-Flug nass. Wer Probleme beim Druckausgleich während Start und Landung hat, sollte die Kopfhörer ebenfalls abnehmen. Beim Essen oder wenn man gähnt, verändert sich das Klangbild bzw. die Geräuschunterdrückung. Was aber nicht weiter störend ist. Ebenfalls gut: Die 191 Gramm Gewicht des Kopfhörers spürt man auch bei längerem Tragen kaum.

Ein Licht am Kopfhörer signalisiert die aktive Geräuschunterdrückung. Der Akku dafür hält bis zu 20 Stunden und wird über ein mitgeliefertes Micro-USB-Kabel aufgeladen. Ist der Akku leer, kann man trotzdem wie gewohnt Musik hören, eben nur ohne aktive Geräuschunterdrückung. Im Straßenverkehr die Active Noice Cancellation zu deaktivieren macht durchaus Sinn, um noch zu hören, wenn sie eine Gefahr nähert (einfahrender Zug, Krankenwagen, rasender Fahrradkurier).

Das Kabel hat eine stoffartige Ummantelung, was sich zum einen gut anfühlt und zum anderen keine „Reibegeräusche“ an der Kleidung verursacht. Das 3,5 mm Klinken-Stecker-Kabel lässt sich getrennt vom Kopfhörer aufbewahren. Somit kann man theoretisch auch ein anderes Kabel verwenden. Beispielsweise falls es einem wichtig ist, die Lautstärke verändern zu können. Weder am Kopfhörer noch am Kabel gibt es eine Möglichkeit. Das mitgelieferte Kabel enthält zwar einen Schalter, aber der pausiert lediglich die Wiedergabe oder springt ein Lied weiter (zwei Mal drücken). Dafür enthält der Schalter auf der Rückseite ein Mikrofon, man kann eingehende Anrufe also mit dem NC1 auf den Ohren annehmen und führen. Unterwegs sehr praktisch, wenn die Hände frei und das iPhone in der Tasche bleiben soll.

Braucht man den NC1 Kopfhörer nicht, lässt er sich zusammen mit allen Kabeln in die mitgelieferte Transporthülle falten. Die ist schön stabil, aber mit 7,5 cm etwas zu dick für meine Alltags-Tasche. Mit dem Klang des NC1 war ich mehr als nur zufrieden. Dafür sorgen 40 mm Treiber mit Neodym-Magneten (Empfindlichkeit: 107 dB, Frequenzbereich: 7 – 25.000 Hz). Wer viel reist und ab und an einfach mal seine Ruhe möchte, für den ist dieser Kopfhörer eine lohnende Investition. Der Philips Fidelio NC1 wird bei Amazonfür 234 Euro (249,99 Euro UVP) angeboten.

Lightning-Anschluss beim Philips Fidelio M2L

Philips Fidelio M2L Technisch bietet der M2L die gleiche Leistung und setzt ebenfalls auf 40 mm Durchmesser Neodym-Magnete. Der Klang ist hier gefühlt noch etwas brillanter, klarer und dynamischer. Entweder bin ich auf die Marketing-Aussagen des Hersteller reingefallen, der von „HD für die Ohren“ spricht oder der Lightning-Anschluss bringt tatsächlich Vorteile. Während der typische 3,5 mm Klinken-Stecker nur analoge Signale übernehmen kann, sorgt im M2L ein eigener 24bit Digital/Analog-Wandler für die „Übersetzungsarbeit“ im Kopfhörer.

Ich habe es exzessiv mit Apple Musik, dem neuen Streaming-Dienst des iPhone-Herstelles ausprobiert. Die Songs haben eine Qualität von 256 Kbit/Sekunde. Sie hören sich mit dem M2L definitiv besser an, als mit meinem In-Ear von Beyerdnamics mit Klinkenstecker.

Der On-Ear-Kopfhörer wiegt 195 Gramm und lässt sich an die Kopfgröße anpassen. Seine Materialien und Verarbeitung machen einen hochwertigen Eindruck. An der rechten Ohrmuschel gibt es ein Lautstärke-Rad. Wer also ausschließlich Musik und Hörbücher am iPhone und iPad hört, für den dürfte der M2L in die engere Wahl kommen. Bleibt nur noch der Preis: Bei Amazon gibt es ihn für 279,99 Euro, die Preisempfehlung (UVP) des Herstellers liegt allerdings nur bei 249,99 Euro UVP.

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