Das Ingenieursbüro mit Angst vor Spionage der Wettbewerber. Aber auch Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Ärzte und weitere Berufe, die auf Diskretion setzen, dürften sich für diese Idee interessieren. Vereinfacht gesagt, ist es ein Störsender, der drahtlose Kamerasignale lahmlegt. Angenommen, eine Drohne kreist vor Ihrem (Büro-)Fenster, dann unterbricht der Cyborg Unplug die Bildübertragung, ohne dass die Drohne abstürzt.

Abmeldebefehle versenden

Die Idee der Tüftler ist, dass sämtliche Signale von Mikrofonen aber auch versteckten Kameras in Wearables, an Drohnen oder in Datenbrillen wie Google Glass nicht via Internet an einen Empfänger übertragen werden. Jedes der genannten Geräte sendet eine spezifische Hardware-Signature bei der drahtlosen Datenübertragung. Diese Signatur erkennt der Cyborg Unplug und unterbricht das Signal. Dabei das Steckdosengerät kein Störsender im klassischen Sinne, denn er baut keine störende Funkfrequenz auf. Das wäre auch in den meisten Ländern untersagt. Der Cyborg sendet Abmeldebefehle (de-authentication-Signals), wie sie die drahtlose Kamera auch an den Empfänger senden würden, wenn sie sich nach getaner Arbeit abmeldet. So schaltet sich die Kamera einfach früher ab.

Zu Einrichtung steckt man den Cyborg Unplug in eine Steckdose. Danach stellt man eine Verbindung zum Smartphone oder Rechner her. Per Browserzugriff kann man das Menü konfigurieren und festlegen, welchen Geräten die Datenübertragung versagt bleiben soll. Jede Nacht aktualisiert der Cyborg seine interne Liste möglicher Spionage-Werkzeuge. Der Stecker spürt drahtlose Signale im Umkreis auf und meldet einen Fund via LED-Leuchte als auch Nachricht ans iPhone.

Juristische Feinheiten

Die Betreiber halten die Technik für vollkommen legal, doch führen sie auf ihrer Webseite aus, dass es einen Unterschied macht, ob der Angreifer für die Datenübertragung das fremde WLAN-Netz oder ein eigenes nutzen. Werden die Kamera- oder Ton-Daten der Spionage-Werkzeuge über das Netzwerk der ausspionierten Person übertragen und diese Person wehrt sich mithilfe des Cyborg Unplug dagegen, spricht man vom Territory Mode, und der ist nicht untersagt. Man kann fremden Geräten die Nutzung des eigenen WLANs verbieten. Nutzt der Angreifer allerdings ein eigenes Funknetz (WLAN) zur Datenübertragung (All Out Mode) ist die Störung untersagt. Da private WLAN-Netzwerke inzwischen Passwort-geschützt sein dürften, bietet sich der Cyborg Unplug vor allem für (halb-)öffentliche WLANs an, deren Passwörter kursieren (Cafés, Restaurants, Bürogemeinschaften, Bildungseinrichtungen etc.)

Made in the Hauptstadt

Obwohl die komplette Webseite und das eingebundene Video auf Englisch sind, steckt hinter dem Projekt ein Team aus Berlin, darunter Julian Oliver und Samim Winiger. Noch gibt es den „Störsender“ für Kameras nicht, aber das erste Modell, den Little Sniper, kann man für 52 Euro vorbestellen. Lustiges Detail am Rande: Alle Besteller aus dem Silicon Valley (Mountain View und Bay Area) erhalten einen zehnprozentigen Rabatt. Bislang bezieht sich die „Störung“ auf WLAN-Signale, die Macher arbeiten jedoch an einer Methode, Bluetooth-Verbindung zu unterbrechen.

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