Sommer, Sonne, Urlaubszeit. Auf zur Entdeckung neuer Städte. Wir Deutschen wollen uns darauf gründlich vorbereiten, also kaufen wir einen Reiseführer. (Den schlechten Scherz mit unserem Volk und dem Führer verkneife ich mir lieber). Die klassischen Anbieter gehen mit der Zeit und bieten die Reiselektüre auch fürs iPhone an. Polyglott, Merian, Marco Polo, alle sind sie dabei und bekommen neue Konkurrenz. Branchenfremde Anbieter wollen uns ebenfalls durch fremde Gassen, zu Sehenswürdigkeiten und in hippe Clubs führen.

Der iPhone-Fan gibt einen schnellen Anbieter-Überblick. Wichtigster Tipp vorweg: Apps, die alle Nase lang Informationen und Kartenmaterial vor Ort abrufen, machen die Führung im Ausland zu einem teuren Vergnügen. Die Roaming-Tarife für Daten im Ausland sind happig. Vor allem hat niemand von uns ein Gefühl für Datenmengen, anders als beim Telefonieren nach Zeit. Abgerechnet wird in 100 KB-Datenpaketen. Aber wie viele KB benötigt ein Aufruf von Google Maps?

Barcelona At-a-Glance von BeeLoop„At a Glance“ Barcelona City Guide

Beeloop ist ein spanisches Unternehmen, das Reiseführer für rund 40 Ziele weltweit für iPhone und iPod touch anbietet.

Die Rubriken des City Guides sind „Geschichte und Kultur“, „Was zu sehen“, „Essen“, „Einkaufen“, „Wohnung“ und „Nachtleben“. Bei den einzelnen Einrichtungen verzichtet der Reiseführer jedoch komplett auf eine textliche Beschreibung. Wesentliche Angaben sind die Entfernung zum Standort, die Preiskategorie und eine redaktionelle Bewertung mit bis zu drei Sternen. Ansonsten gibt es noch die Adresse, Parkmöglichkeiten, Telefonnummer und die Routenfunktion. Das war es. Für einen Reiseführer sollte man eigentlich mehr erwarten.

Toll gemacht ist die Kategorie „Was ist nah?“. Hier kann man jede Rubrik einzeln aktivieren und einen gewünschten maximalen Abstand zum aktuellen Standort angeben.

Unter der Kategorie „Reiseweg“ findet man Empfehlungen je nach Tages- bzw Essenszeit. Wer Mittagessen auswählt, bekommt entsprechende Empfehlungen mit Entfernungsangaben angezeigt.

Meine Wertung
Eins von fünf iPhones

Preis: 4,99 €, Größe: 6,7 MB

Marco Polo City Guide für HamburgMarco Polo CityGuide Hamburg

Die „Top-Highlights“ und das „Sehenswerte“ kann man sich als komplette Liste anzeigen lassen oder man klickt auf „In der Nähe“, so dass man seine Tour durch die Stadt zu Fuß oder mit dem Rad absolvieren kann. Auch hier setzen die Macher eher auf kurze Textbeschreibungen, ein Foto, Adressangabe und wo es Sinn macht, auch Öffnungszeiten. Doch markanter in der Darstellung und damit auch in der Wahrnehmung ist der Link zu Google Maps sowie der Routenfunktion.

Weitere Rubriken sind „Essen & Trinken“, „Einkaufen“, „Am Abend“, „Hotels, Messen & Verkehr“ (Bahnhöfe & Flughäfen) sowie „Kunst etc. & Museen“. Die Rubriken sind jeweils noch unterteilt, in Küchenrichtung bei den Restaurants oder in Produktgruppen beim Einkaufen. Doch gerade mal sechs Schuhläden für ganz Hamburg dürfte der Damenwelt nicht ausreichen. Und nur die Karstadt-Filiale in der Innenstadt bei den Filialgeschäften zu finden, dürfte eine Enttäuschung für Besucher der Stadt sein. Das Alsterhaus, ebenfalls Teil des insolventen Warenhauskonzerns, ist da für Touristen schon deutlich attraktiver.

Bei den Restaurants in der Nähe wird mir als erstes ein Bistro angezeigt, das vor über einem Jahr geschlossen wurde.

Brauchbare Tipps kann man in der App als Favorit speichern und sich so seine eigene Stadttour zusammenstellen. Hilfreich ist der Link zum Taxiruf, mit dem man direkt einen Anruf starten kann. Die Marco Polo CityGuides gibt es für rund 30 Reiseziele im AppStore.

Meine Wertung
Drei von fünf iPhones

Preis: 3,99 €, Größe: 5,1 MB

Merian Scout für München und Umgebung

Merian Scout München und Umgebung

Merian setzt , wie man es vom Printprodukt kennt, auf die redaktionelle Empfehlung. Bei Hotel- und Restaurantbesprechungen nutzt die Redaktion zusätzlich das Wissen des Magazins Der Feinschmecker. Hier liegt der Schwerpunkt deutlich stärker auf den Texten. Im Vergleich aller iPhone-Versionen hat der Scout sogar die längsten Texte. Was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss.

Über 1.500 Tipps verteilen sich auf die Rubriken „Tipps und Highlights“, „Sehenswertes“, „Übernachten“, „Essen und Trinken“,“Einkaufen“,“Am Abend“ sowie „Sport und Freizeit“. Viele Bilder machen Lust auf die Reise und zeigen einem, ob man zur richtigen Sehenswürdigkeit gefunden hat.

Natürlich gehören auch die Ortungs- und Routenfunktion, eine Chronik sowie Lesezeichen zum Angebot des Scouts dazu.

Meine Wertung
Vier von fünf iPhones

Preis: 2,99 €, Größe: 6,0 MB

Polyglott Reiseführer für BarcelonaPolyglott Barcelona

Reisespezialist Polyglott bietet derzeit für zwölf europäische Metropolen einen digitalen Guide im AppStore an. Wer erwartet, hier 1:1 die Texte aus den gedruckten Reiseführern zu finden, wird enttäuscht oder ist positiv überrascht. Die Redaktion hat sich, passend zum Medium, gezügelt und verzichtet auf lange Texte. Die Einführung zu Barcelona ist gerade mal zwei Bildschirmseiten lang. Auf dem Touchscreen mag man sicher nicht mehr lesen.

In den „Top Tipps“ findet man die Rubriken „Sehenswert“, „Hotels“, „Und abends?“, „Restaurants“ sowie „Shopping“. In den einzelnen Rubriken gibt es keine weitere Unterteilung, was die gezielte Suche beispielsweise nach Schuhläden beim Shopping erschwert.

Wenn einem bei der Reisevorbereitung bereits ein Tipp gefällt, kann man ihn mit dem Herz-Symbol zur Rubrik „Meine Tour“ hinzufügen. Das ist bedeutend praktischer als Klebezettel oder umgeknickte Ecken in den Printversionen. Unter „Impressionen“ findet man ein Bildsammlung, die schon mal Lust auf das Reiseziel macht.

Jeder Tipp ist ausreichend beschrieben und in der Regel mit Bild versehen. Dazu gibt es die Telefonnummer und Adresse, die man sich in Google Maps anschauen kann. Doch Vorsicht: Roamingebühren. Darum hat der Guide eine gespeicherte Karte mit dem Innenstadtgebiet des jeweiligen Reiseziels. Dazu gibt es noch eine Übersichtskarte der öffentlichen Verkehrsmittel, was erfahrungsgemäß auf Städtereisen das meistgenutzte Infomedium ist.

Besonders gut hat mir der Sprachführer gefallen. Hier kann man sich in 13 Rubriken gängige Formulierungen und Fragen mit der korrekten Aussprache anhören oder dem Gegenüber vorspielen. Das dürfte weiterhelfen, nur die Antwort des Gegenübers kann die App noch nicht übersetzen.

Unter „Reiseinfos“ findet man die wichtigsten Adressen vor Ort: Notrufe, die deutsche Botschaft und gängige Öffnungszeiten sämtlicher Geschäfte. Dazu gibt es Infos zu Feiertagen, Netzspannung und Zollbestimmungen. Ein rundum gelungener und praktischer Stadtführer.

Meine Wertung
Fünf von fünf iPhones

Preis: 4,99 €, Größe: 10,5 MB

Der Vollständigkeit halber sei hier auch noch der Max CityGuide erwähnt, den es für rund 30 Städte im AppStore gibt.

Fazit

Insgesamt setzen die digitalen Stadtführer weniger auf inhaltliche Tiefe als auf die praktische Ortungsfunktion. Aber genau das können auch andere Apps. Somit bekommen die klassischen Reiseführer Konkurrenz von Angeboten wie Meine Stadt oder AroundMe. Hinzu kommen Angebote für spezielle Nutzergruppen wie die App der Nachtagenten für Partygänger und die elle City Guides für die weibliche Sicht auf eine Stadt.

Zudem bewegen sich die klassischen Reiseführer im Spannungsfeld zwischen Aktualität und Kosten. Speichert eine App alle Adressen und Beschreibungen auf dem iPhone, ist sie schnell veraltet. Liegen die Daten auf einem Server, wo sie abgerufen werden, verursacht das außerhalb Deutschlands hohe Roaminggebühren.

Mich überrascht ein wenig, wie sparsam die Anbieter mit multimedialen Funktionen auf dem iPhone arbeiten. Ein Audio- oder Video-Guide zu Sehenswürdigkeiten in der Stadt wäre doch technisch möglich. Die nächste Stufe sollte eine Einbindung von Bilderkennung in Kombination mit dem Standort sein. Man schießt ein Foto eines Gebäudes oder eines Denkmals und die App liefert einem die passenden Informationen in Text, Foto und Video.

2 KOMMENTARE

  1. Hübsche Zusammenstellung. Was aber völlig fehlt, ist ein Überblick über die Lonely Planet Apps, meiner Meinung nach der beste Ansatz. Ich werde die Tage in meinem Blog mal eine Rezension veröffentlichen.

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