Gleich vorweg: Es gibt kein iPhone 4S oder 5. In der Eröffnungsrede wurde keine neue Hardware vorgestellt. Steve Jobs präsentierte iCloud, den Datenabgleich in der Wolke für Apps, Musik und Dokumente. Damit wird MobileMe ein kostenfreier Dienst. Ab Herbst kommt iOS 5 mit einigen Neuerungen, die sich Apple bei erfolgreichen App-Entwicklern abgeschaut hat. Zur Aktivierung eines iPhones oder iPads ist kein Computer mehr notwendig. Die neue Version von OS X (Lion) nähert sich dem iOS schrittweise an und lässt sich fast komplett ohne Maus mit dem Trackpad bedienen.

Video der Eröffnungsveranstaltung

Steve Jobs präsentiert iCloud. Inhalte, die auf einem iPhone erworben werden, gelangen automatisch in die „Wolke“, darüber lassen sich alle Apple-Geräte synchronisieren. So hat man alles Lieder, Mails, Termine, Adressdaten immer bei sich. Auch Apps und eBooks werden mit der Serverfarm abgeglichen. Damit wird MobileMe ein Gratis-Dienst.

Erstellte Dokumente aus den Apps Keynote, Numbers und Pages werden in der Wolke gespeichert. Sämtliche Einstellungen und Passwörter lassen sich mit einem täglichen Backup sichern.

Mit Photo Stream werden Bilder direkt vom iPhone zur iCloud übertragen. Von dort sind sie sofort per iPad, MacBook, Windows PC oder Apple TV Box einsehbar. Die Apple TV Box erhält einen Bilder-Ordner, so dass man sich die Fotos als Dia-Show auf dem Fernseher anschauen kann. Er werden die letzten 1.000 Fotos auf jedem Gerät gespeichert. Der Photo Stream auf einem Mac oder PC enthält sämtliche Bilder, da hier mehr Speicherplatz zur Verfügung steht. In der iCloud wird aus Platzgründen jedes Bild für 30 Tage gespeichert. Bis dahin muss man die Bilder auf eine Festplatte heruntergeladen haben, ansonsten werden sie durch die neuen Bilder ersetzt.

iTunes in der Wolke: Die iCloud wird mit dem iTunes-Konto des Nutzers abgleichen. Alles, was er oder sie schon an Lieden besitzt, kann dann auch auf anderen Apple-Geräten heruntergeladen werden.

Mit iOS 5 und einem iTunes-Konto (Apple-ID) ist iCloud automatisch aktiviert. Man hat 5 GB für Dokumente, Mails und Backups. Apps, Musik und eBooks sowie der Photo Stream werden hier nicht mitgezählt.

One more thing …

Das „kleine Ding“ hat mit iTunes in der Cloud zu tun: Viele Nutzer besitzen Musik, die nicht bei iTunes gekauft wurde, sondern von CDs eingelesen oder aus anderen Quellen stammen… Mit dem Dienst iTunes Match (24,99 Dollar pro Jahr) kann man seine gesamte Musiksammlung von iTunes analysieren lassen. Alle gefunden Songs werden auf 256 kpbs AAC und rechtefrei (DRM) konvertiert und in der iCloud freigeschaltet. So können auch diese Lieder auf allen Geräten genutzt werden.

Scott Forstall präsentiert iOS 5. Weltweit sind 200 Millionen Geräte mit iOS als Betriebssystem im Einsatz. Damit hat es einen Marktanteile von 44 Prozent (ComScore USA April 2011). In den ersten 14 Monaten wurden 25 Millionen iPads verkauft. Noch ein paar Zahlen: 130 Millionen verkauft eBooks, 15 Milliarden verkaufte Lieder bei iTunes Music. Es gibt offiziell 425.000 Apps, davon 90.000 speziell für das iPad. 14 Milliarden App-Downloads in den knapp drei Jahren seit Einführung des AppStores.

iOS 5 bringt 200 Neuerungen für den Nutzer und 1.500 neue Schnittstellen (APIs) für Entwickler. Die Benachrichtigungen werden neu arrangiert. Bislang unterbricht die Popup-Meldung den Nutzer. Es wird ein Notification Center geben, in dem neue Mails, Termine, Anrufe und SMS-Nachrichten angezeigt werden. Dazu zieht man mit dem Finger von oben das Mitteilungscenter nach unten. Alle Meldungen aus Apps sowie Aktienkurse und das Wetter für den aktuellen Ort sind zu sehen.

Newsstand bündelt alle Abos auf dem iPhone/iPad. Hier werden die Cover der neuesten Ausgaben abonnierter Magazine und Zeitungsausgaben angezeigt.

Twitter wird fest in iOS 5 integriert. Man loggt sich einmal mit seinen Konten ein und jede weitere installierte App fragt nur noch, ob sie das Konto-Nutzer darf. Keine erneute Anmeldung nötig. Aus YouTube, Safari und der Kamera kann man direkt Inhalte zu Twitter übertragen.

Safari erhält auch einige Neuerungen: Mit der Reading List erhält der Browser eine Funktion wie Readt it Later oder Instapaper. Dabei markiert der Nutzer interessante Artikel für ein späteres Lesen. Markierte Artikel können über alle Safari-Versionen auf iPhone, iPad, Mac und Windows-PC synchronisiert werden. Tabed-Browsing wird auf dem iPad möglich, also mehrere geöffnete Seiten, die als Reiter dargestellt werden. Es wird ein Reader für einige Webseiten möglich sein. Die Funktion stellt nur Text und Fotos einer Webseite dar, weitere Elemente auch Seitenumbrüche werden ausgeblendet, das erleichtert das Lesen langer Texte.

Mit Reminders macht Apple Entwicklern von To-Do-List Konkurrenz. Damit lassen sich Einkaufslisten, Aufgaben und Termine merken. Die Einträge können mit iCal, CalDev und Outlook synchronisiert werden.

Die iPhone-Kamera wird mit iOS 5 schneller reagieren und betriebsbereit sein. Mit einem Doppel-Druck auf dem Home-Button aktiviert man ein Kamera-Symbol auf dem Standby-Bildschirm, um einen Schnappschuss zu machen. Das funktioniert auch mit einer Code-Sperre, die umgangen wird. Allerdings sieht man dann keine der zuvor gemachten Aufnahmen. Als zusätzliche Auslöser dient der Lautstärke-Knopf. Fotos kann man nun direkt auf dem iPhone bearbeiten: Beschneiden, Drehen, Rote Augen entfernen etc. Ein weiterer Dolch in den Rücken einiger App-Entwickler.

Die Mail-Funktion wird erweitert: Mails können farblich markiert werden (Flags). Die Suchfunktion kann nun den kompletten Inhalt einer Mail durchsuchen, außerdem wird die Verschlüsselung von Mail per S/Mime unterstützt, was vor allem für den Unternehmenseinsatz von Bedeutung ist. Die Tastatur lässt sich in zwei Teile teilen, um mit beiden Daumen zu tippen.

Man kann nicht immer von der Post-PC-Ära reden und dann einen Rechner zur Aktivierung von iPhone und iPad voraussetzen. Für die Aktivierung ist nun kein Computer mehr notwendig, auf dem Bildschirm eines neuen iPhones erscheint ein „Welcome“ und der Nutzer kann es direkt einrichten. Auch für ein Update des iOS braucht man keinen Computer mit iTunes mehr. Es wird so genannte Delta-Updates auf dem iPhone / iPad geben. Es wird nur das geladen, was sich verändert hat.

Mit iMessage wird ein Nachrichten-Dienst, der zwischen sämtlichen iOS-Nutzern (auch iPod touch) funktioniert, eingeführt. Damit lassen sich Texte, Videos, Adresseinträge und Fotos übermitteln. Die Nachrichten werden verschlüsselt im Mobilfunknetz oder WLAN übertragen.

Das Game Center wird „more social“: Man sieht Bilder seiner Gegener, bekommt Spielpartner vorgeschlagen, kann erreichte Punktzahlen anzeigen und es gibt so etwas wie „Genius“ für Spiele, das weitere Titel vorschlägt. Mit der Funktion AirPlay Mirroring kann man kabellos alle Inhalte vom iPad 2 auf einem Fernseher wiedergeben, der an eine Apple TV Box angeschlossen ist.

iOS 5 wird für Anwender ab Herbst verfügbar sein, Entwickler können bereits sofort zuschlagen. Die Version wird auf iPhone 3GS und 4, iPad 1 und 2 sowie dem iPod Touch  ab der 3. Generation laufen.

Marketing-Chef Phil Schiller stellt die neue Version des Betriebssystems OS X mit dem Namen Lion vor. Das gibt es nicht auf DVD, sondern nur im Mac App-Store (ca. 4 GB groß). Das Upgrade wird in den USA 29 Dollar kosten, bislang wurden für Versionswechsel 129 Dollar verlangt. Erhältlich ist es ab Juli 2011 und kostet in Deutschland 23,99 Euro.

Die Version enthält 250 Verbesserungen. Davon werden jedoch nur einige auf der Bühne vorgestellt: Mehrfinger-Gesten auf dem Trackpad wie Pinchen, Zoomen, Drehen und Scrollen. Sie machen eine Maus überflüssig. Insgesamt orientiert sich die Nutzung stark an Tablets, die ohne Tastatur auskommen müssen.

Anwendungen laufen im Vollbildmodus, so dass die Menüleisten ausgeblendet werden. Mission Control: Überblick aller geöffneten Desktops, Widgets und Anwendungen, die zu Gruppen sortier werden. Die Kamera erkennt mit Photo Booth den Blick des Nutzers und kann ihm folgen.

Lion hat den Mac-App-Store fest integriert. In-App-Kauf und Push-Nachrichten werden auch auf dem Desktop möglich. Die Icon-Symbole lassen sich wie auf dem iPhone arrangieren, auch als Ordner zusammen fassen. Auch die Funktion, dass ein Programm beim nächsten Start wieder genau an der Stelle geöffnet wird, wo es beendet wurde, ist vom iOS über nommen. Phil Schiller spricht auch nicht von Programmen, sondern nur von Apps.

Das alte PC-Mantra „Save, Save, Save“ gehört mit Lion der Vergangenheit an. Dokumente werden automatisch in zeitlichen Abständen gesichert – wie auf dem iPad. Das Dokument bekommt mit jeder Auto-Speicherung eine höhere Versionsnummer.

Zur Übertragung von Dateien zwischen zwei Rechnern im gleiche WLAN führt Apple AirDrop ein. Man sieht im Finder, welchen Nutzer in der Nähe sind und kann ihnen per Drag ´n Drop Dateien auf den Rechner schieben.

Das Programm Mail sieht in seiner zehnten Version aus wie das eMail-Programm auf dem iPad.

Weltweit gibt es 54 Millionen Mac-Nutzer. Während der PC-Markt im Jahresvergleich um 1 Prozent wächst, bringt es Apple mit den Macs auf 28 Prozent. 73 Prozent der verkauften Rechner sind Laptops.

Steve Jobs hat die Eröffnungsveranstaltung zur WWDC 2011 pünktlich eröffnet. Der Apple-Chef wurde mit minutenlangem Applaus auf der Bühne empfangen.

Quellen: engadget.com, Techcrunch.com

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