Apple möchte gern am Abo-Geschäft deutscher Verlage mitverdienen. Die tippen sich verstört an die Stirn und sagen: Nö, das ist gegen laufende Abmachungen. Für Morgen ist eine Dringlichkeitssitzung beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin angesetzt. „Wir haben einen Termin vorgezogen, um über das weitere Vorgehen zu beraten“, sagt Hans Joachim Fuhrmann vom BDZV zum Focus. Das läuft auf einen handfesten Interessenkonflikt hinaus.

Ab dem 1. April 2011 lässt Apple den Vertrieb von Inhalten für das iPhone und iPad nur noch als In-App-Käufe zu. Damit stellen die Amerikaner sicher, an jeder neuen Ausgabe 30 Prozent mitzuverdienen. Viele Medienhäuser stellen Kiosk-Versionen in den AppStore, Beispiele sind der Spiegel, stern, Kölner Stadt-Anzeiger und Handelsblatt. Dabei ist die App kostenlos, die einzelnen Ausgaben werden per In-App-Kauf bezahlt und in den Kiosk geladen – allerdings vom Server des Medienhauses. Zwar bezahlen Leser über den In-App-Kauf schon jetzt für jede Ausgabe, doch theoretisch könnten Verlage ihren bestehenden Abonnenent Zugang über die Kiosk-App verschaffen, die Abrechnung jedoch direkt abwickeln. Die Verlage sehen nicht ein, warum sie plötzlich Apple an ihrem Stammgeschäft beteiligen sollten.

Es wird ein spannender Machtkampf werden: Apple wird mit der nötigen und gewohnten Arroganz auftreten. Schließlich hat das Unternehmen das iPad – die Zukunft der Verlagsbranche – erfunden und erfolgreich verkauft (14,8 Mio. Stück in 2010). Springer-Boss Mathias Döpfner forderte noch im Frühjahr 2010 seine Verlegerkollegen auf, Steve Jobs dafür im Gebet zu danken. Apple kann mit seiner zentralen Vertriebsplattform iTunes nun mal die Konditionen diktieren. Und was kümmert das wertvollste Technologie-Unternehmen der Welt ein paar Verlegerstimmen aus dem alten Europa?

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Auf der anderen Seite ist Apple auf attraktive Inhalte angewiesen. Furz-, Radio-, Bier-Apps und Ballerspiele werden auf Dauer nicht genügen. Gerade für das iPad sind Medieninhalte ein Kauf-Argument. Nicht zuletzt deshalb hat sich Apple mit der News Corp. bei der Zeitungs-App The Daily ins gemeinsames Bett gelegt.

Erster Kompromiss an die Verleger: Die In-App-Abonnements. Die Leser müssen nicht mehr jede Ausgabe getrennt bezahlen und herunterladen, sondern schließen ein klassisches Zeitschriftenabo ab. Einziger Unterschied: Die Daten des Lesers liegen bei Apple. Daran hat kein Verlag ein Interesse, denn Medienhäuser wollen im besten Fall ihren Lesern weitere Zeitschriften verkaufen und im schlechtesten Fall die Abo-Daten weiterverkaufen. Darum heißt es nun in den iTunes AGBs: “Wir holen gegebenenfalls Ihr Einverständnis ein, um den in Ihrem Konto angeführten Namen, die entsprechende Emailadresse und Postleitzahl dem Veröffentlicher zur Verfügung zu stellen, damit Ihnen dieser in Übereinstimmung mit seiner Datenschutzrichtlinie Werbung zu seinen eigenen Produkten zusenden kann. {…} Wir empfehlen Ihnen, sich mit den Datenschutzpraktiken des Veröffentlichers vertraut zu machen bevor Sie Ihr Einverständnis erteilen…” Es liegt also am Leser, ob der Verlag erfährt, wer ein Abo auf iPhone und iPad abgeschlossen hat. Kein schöner Gedanke für Verlagsmanager.

1 Kommentar

  1. ich denke apple ist da definitv am längeren hebel, viele leute die sich einen iPad gekauft haben möchten konsumieren, und nicht extra wegen diesem ein Android tablet zulegen..
    den zeitungsverlagen bleibt aber auch noch der weg über das web und HTML5 wenn sie geld verdienen möchten, sollen sie auch was dafür tun, apple hat den grundstein gelegt, einen neuen markt (endlich) nutzbar und für jederman einfach bedienbar gemacht.

    alles können die medienhäuser nicht haben, ansonnsten wird sich der kunde immer wie mehr seine news selber zusammen suchen, es gibt mittlerweilen viele blogs, viele interessanten seiten die kostenlos informieren und dadurch überleben, dass sie werbungen einblenden und/oder über affilate ihr geld verdienen

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